Klettersteige sind im Moment noch nicht unser Ziel, insbesondere nicht, solange es keine geeigneten Sets mit kindgerechter Falldämpfung gibt (siehe Artikel im DAV Panorama, Ausgabe 4/2011). Aber ab und zu treffen wir bei der Vorbereitung auf Touren mit ausgesetzten Stellen, die zwar nicht unbedingt schwieriger sind als bisher gelaufene Wege, aber bei denen man wegen der großen Absturzhöhe einen Fehltritt wenn überhaupt dann sicher nur schwer verletzt überlebt. Solche Wege findet man oft als "gesicherte Steige" beschrieben, die man als Erwachsener alleine normalerweise ohne Eigensicherung begeht.
Kinder sind natürlich leichter mal abzulenken oder haben im Zweifel auch nicht die Kraft, sich beim Ausrutschen mit einer Hand an einem Drahtseil festzuhalten, das oft genug auch eher in ihrer Schulter- oder Kopfhöhe verläuft. Obwohl unsere Kinder bisher auch auf ausgesetzten Stellen ausgesprochen trittsicher unterwegs waren, haben wir uns daher entschlossen, das Schicksal nicht zu stark herauszufordern und uns lieber eine Anseilausrüstung zuzulegen. Die stellen wir auf dieser Seite vor, falls jemand sich mit etwas Ähnlichem ausrüsten möchte.
Wanderungen, auf denen wir diese Ausrüstung verwendet haben, sind mit diesem Symbol
gekennzeichnet. Das heißt aber nicht, dass die Tour zwingend eine Ansicherung erfordert! Das
muss jeder selbst entscheiden, die Fotos bieten dafür hoffentlich eine gute Grundlage.
Ein großer Vorteil der Ansicherung besteht aus unserer Sicht darin, dass die Kinder schwierige Passagen alleine angehen dürfen. Sonst müsste man die mit ihnen an der Hand überwinden, und dabei geht man ja auch selbst unsicher, weil man oft merkwürdige Verrenkungen anstellen muss, um sowohl das Drahtseil an der Wand als auch die Kinder an der Hand zu erreichen. Und Lernen tun die Kinder dabei gar nichts. Mit Sicherung können sie hingegen im eigenen Tempo und unter Einsatz aller Hände und Füße herausfinden, wo sie sicher stehen und greifen können und sich dadurch Sicherheit antrainieren, um später auch schwierige Stellen zu überwinden, an denen man sich nicht ansichern kann.
Bitte beachten:
Für Florian haben wir einen Petzl Simba C65 genommen, ein Kombigurt mit Arm- und Beinschlaufen. Der ist für das Alter sinnvoll, da die Hüfte noch nicht stark ausgeprägt ist und ein Hüftgurt alleine nicht genug Halt bietet. Die Sicherungsschlaufen auf Brusthöhe berücksichtigen außerdem den bei kleineren Kindern noch höher liegenden Körperschwerpunkt.
Der Gurt ist sehr leicht anzulegen und einfach festzuzurren. Wenn man zwischendurch mal ein paar hundert Meter ohne Sicherung gehen kann und das Seil am Rucksack verstaut, muss der Gurt natürlich trotzdem halten. Dazu haben wir diesen kleinen Schnappkarabiner für die Sicherungsschlaufen.
Ariane ist für ihr Alter schon recht groß und schwer, so dass bei ihr schon ein
Skylotec SC 102 Minitec 2 Hüftgurt richtig sitzt. Das muss man wie
gesagt unbedingt in einem Fachgeschäft beurteilen lassen. Der Gurt ist auch für's
Klettern und Abseilen geeignet, was Ariane schon 2-3x an der Kletterwand gemacht hat, und ist
dementsprechend auch an Beinen und Hüften gepolstert.
Die Gurte liegen beide so um die 50-60 Euro.
Wir verwenden ein 3,40 m langes Seil mit Achterschlaufen, einem Karabiner in der Mitte und zwei an
den Enden. Das Seil mit einem Karabiner am Klettergurt zu befestigen hat den Vorteil, dass es leichter
an- und abzumachen ist und man daher den Gurt in Ruhe irgendwo anlegen kann, wo es noch nicht
ausgesetzt ist. Das Seil kann man dann später leicht einhaken und auch zwischendurch wieder
abmachen, wenn man es mal für eine halbe Stunde nicht braucht.
Auf eine Falldämpfung verzichten
wir bewusst (siehe unten).
Der Karabiner am Gurt darf sich natürlich nicht unbeabsichtigt öffnen. Selbst ein Schraubkarabiner ist daher ungeeignet, weil sich der Verschluss mit der Zeit lösen kann und der Karabiner dann nur noch ein Schnapper ist. Wir verwenden daher einen sog. "Safebiner" und zwar den Belay Master 2 von DMM. Hier kann der Kunststoffbügel nur bei zugeschraubtem Karabiner geschlossen werden und verhindert dann, dass sich die Verschraubung lösen kann. Im Unterschied zu Twistlock- oder Spinball-Karabinern, die ebenfalls Schutz vor unbeabsichtigtem Öffnen bieten, werden hier auch Seil und Gurt voneinander getrennt und ein Verdrehen des Karabiners verhindert. Die Schraubhülse wird zudem vollständig bedeckt, so dass hier keine Probleme durch scharfe Kanten, Aufstanzen oder Bruch der Hülse auftreten können. Mit ca. 15 Euro aber auch kein ganz preiswerter Karabiner.
An der eingekreisten Stelle auf dem Foto war bei 2 unserer 4 Karabiner eine scharfe Ecke, wo das Seil aufreiben kann. Die kann man einfach mit einer Nagelfeile abrunden.An den Enden verwenden wir sog. Klettersteigkarabiner, die im Unterschied zu Schnappkarabinern
eine Sicherung gegen unbeabsichtiges Öffnen haben. Da ein Modell zu finden, das
für Kinder leicht zu bedienen ist, war gar nicht so einfach. Die größte Auswahl
verschiedener Klettersteigsets mit unterschiedlichen Karabinern haben wir in München und
Umgebung bei Sport Schuster in der Innenstadt gefunden.
Am Karabiner in der Mitte verwenden wir einen Achterknoten (oder Achterschlaufe). Der hat eine Verknotung mehr als der normale Schlaufenknoten, den man am Seilende für eine einfache Schlinge macht (Sackstich). Dadurch wird nicht nur die Bruchlast weniger reduziert, es besteht auch eine zusätzliche Sicherung, wenn das Seilende durchrutscht (der Sackstich wäre dann offen). Das lose Seilende sollte beim Achterknoten mindestens das 10fache des Seildurchmessers überstehen.
Beim Belay Master kann man eine gelegte Achterschlaufe verwenden, d.h. erst die Schlaufe knüpfen und dann in den offenen Karabiner einhängen. Bei den Skylotec geht das nicht, da die Seilöse vom Schnapper ja vollständig getrennt ist. Dort braucht man einen sog. "gesteckten" Achterknoten, d.h. das Seil muss während des knotens durch den Karabiner gezogen werden. Gute Anleitungen findet man z.B. unter http://www.berufskletterzentrum.de/knoten/ oder http://www.seiltechniken.de/. Ich persönlich finde die gestecken Achterknoten sehr einfach, wenn man erst ohne Karabiner einen gelegten sehr lockeren Knoten macht und dann das lose Seilende wieder rauszieht. Dann sind beim Zurückstecken genau die richtigen Öffnungen vorhanden, damit die beiden Seilstränge parallel verlaufen und sich nicht verdrehen. Ausserdem kommt man so mit der Länge genau hin, was beim normalen Stecken nicht so einfach ist.
Es spricht nichts dagegen, ein Klettersteigset zu verwenden, vor allem wenn man
Bedenken hat, die Knoten selbst gut hinzubekommen. Es wiegt aber etwas mehr, ist ca. 50% teurer
als Seil+Karabiner
und bringt
gerade für Kinder keinerlei Vorteil, da die Falldämpfung von Klettersteigsets bei
Kindern wegen des zu geringen Gewichts nicht auslöst (nachzulesen im DAV Panorama Heft
4/2011). Selbst wenn es eine kindgerechte Falldämpfungen gäbe (und die wird es sicher in
den nächsten Jahren geben), hätten die aber auf den gesicherten Steigen, die wir gehen
(wollen), keinen Nutzen.
Im Unterschied zu Klettersteigen, wo man durchaus mal 2-3 Meter
fallen kann, bevor die Karabiner am nächsten Anker des Sicherungsseil hängen bleiben
und man ruckartig gebremst wird, klettert man auf gesicherten Steigen nicht senkrecht, sondern
läuft auf einer mäßigen Steigung oder kraxelt über Felsen nach oben. Wenn
man da stolpert, kann man im schlimmsten Fall abrutschen und einige Meter am Stahlseil
entlang über den Boden schlittern. Dabei können keine auch nur annähernd
vergleichbaren Beschleunigungskräfte entstehen wie bei einem
freien Fall, so dass eine Falldämpfung nicht auslösen würde. Wir verzichten daher
bei unserer Ansicherung darauf.
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Die Eltern auch ans Seil?
Unsere Empfehlung lautet: Ja!
Obwohl beide Kinder an unserer ersten Anseilstrecke, dem
Burgberger Hörnle, sehr sicher unterwegs waren, habe ich doch
gemerkt, dass man ab und zu mal beide Hände braucht, um zu helfen oder nochmal das
Umsetzen zu zeigen etc. (oder schöne Fotos von den kraxelnden Kindern zu machen :-D). Und
wenn man da keine Hand mehr für's Seil übrig hat,
ist es beruhigend, wenn man auch selbst angesichert ist.
Ausserdem kann es natürlich wirklich mal passieren, dass die Kinder abrutschen. Und
spätestens, wenn
die dann panisch einen halben Meter neben dem Weg über dem Abgrund baumeln und mit den
Armen fuchteln, ist man über die Eigensicherung froh, damit man nicht selbst beim
Rettungsversuch abstürzt.
Für uns gilt daher: alle ans Seil oder keiner.
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Und was wiegt das Ganze???
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Last modified: Tue Dec 6 10:30:54 CET 2011
Gefahrenhinweis/Haftungsauschluss: Bei vielen der vorgestellten
Wanderungen gibt es durchaus ausgesetzte und
gefährliche Stellen. Die Wege sind teilweise in schlechtem Zustand, und
die Gefahr eines Absturzes besteht bei schmalen Pfaden am Hang
immer. Typische Gefahren wie Steinschlag oder schlechtes Wetter sind zudem
in den Bergen jederzeit vorhanden. Wir bemühen uns, in der Darstellung
jeder Wanderung zu vermitteln, wie anstrengend und gefährlich sie
aus unserer persönlichen Sicht war und wie gut unsere Kinder damit zurecht gekommen
sind.
Trotzdem übernehmen wir natürlich für keine der
vorgestellten Wanderungen eine Garantie für die Richtigkeit der
Darstellung, für die Ungefährlichkeit oder die Eignung für
andere Kinder als unsere eigenen. Jeder wandert auf eigene Gefahr und auf eigene Verantwortung und
muss vor Ort selbst entscheiden, ob die vorgstellten Routen gefahrlos zu
begehen sind oder nicht.
Die Verwendung der Informationen dieser Webseite erfolgt auf eigenes
Risiko. Für Unfälle, welche eventuell auf unsere Informationen zurück zu
führen wären, wird nicht gehaftet.
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Das Hintergrundbild stammt von http://www.grsites.com.