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Klettersteig Reintalersee
April 2015
Ausgangspunkt:Parkplatz am Reintalersee (es gibt mehrere, siehe Openstreetmap, unserer war der praktischste), ca. 1:50 Stunden Autofahrt vom Südwesten Münchens ohne Pickerl, 1:20 Stunden mit Pickerl (jeweils über Kufstein). Das Tagesticket kostete 4 Euro.
Google-Map mit so einer Art Wegverlauf. Die Satellitenbilder hier sind derart veraltet und verzerrt, dass eine genauere Einzeichnung nicht möglich war.
OpenStreetMap
Länge:
Zustieg: 700 m / 170 hm
Klettersteig: 200 hm
Rückweg: knapp 4 km / 30 hm auf, 400 hm ab
Unsere Zeit: 7 Stunden insgesamt. Davon:
Zustieg: 1 Stunde inkl. Umziehen und Wasserfall-Besuch
Klettersteig:    3¾ Stunden
  • bis zum großen Band: 1½ Stunden (mit 2x Steffi nachsichern)
  • Pause auf dem Band: ¾ Stunde
  • Restlicher Steig: 1½ Stunden inkl. ¼ Stunde Pause und 1x Nachsichern Florian und 3x Steffi
Rückweg : 1½ Stunden
Ich schätze mal, dass wir ohne die höhenangstbedingten Nachsicherungen von Steffi gut ½ Stunde weniger benötigt hätten. Zu viert mit Pause und 1-2 Nachsicherung eines Kindes dürften also 3 Stunden eine ganz gute Schätzung sein. Ariane und ich alleine wären vermutlich in 1½ Stunden durch gewesen.
Alter unserer Kinder: 10 und 12
Schwierigkeit: Der Klettersteig am Reintalersee ist stellenweise schon recht anspruchsvoll und sollte besser nur mit Kindern begangen werden, die schon einige Erfahrung auf C- oder leichteren C/D-Steigen sammeln konnten und entweder über eine große Reichweite verfügen oder sehr kräftig sind. Es ist nämlich charakteristisch für den Steig, dass man viel mit Kraft lösen muss und nicht, wie wir es kurz zuvor am Weiße-Gams-Steig erlebt hatten, zwischen Reibung oder Felskraxelei wählen kann.
Zwar ist es in der Summe am Ende nicht übermäßig anstrengend, weil es auch immer wieder etwas leichtere Passagen gibt, aber dafür sind mehrmals kurze "Kraftspitzen" erforderlich, wenn man sich richtig kräftig ins Seil klammern muss, um die Reibungsschritte auf dem glatten Fels gegenzuhalten. Zudem sind zwei der 4 C/D-Stellen vergleichsweise (zu unseren bisherigen Steigen) lang und dadurch ziemlich anstrengend.
Richtige Erholungsabschnitte gibt es nicht, selbst die leichteren Passagen auf den Waldbändern sind stellenweise unangenehm steil. Und eine Stelle, wo 4 Leute mal bequem sitzen und Rast machen können, sucht man vergeblich. Sehr positiv anzumerken ist dafür aber, dass nach dem Einstieg, der mit einer C/D- und einer tückischen C-Stelle den schwersten Abschnitt des Steigs darstellt, zunehmend Trittbügel genau so gesetzt wurden, dass man selbst in schwierigen Reibungspassagen immer einen guten Stand zum Umsetzen der Karabiner hat. Dadurch bleiben die Kraftspitzen mit Ausnahme des ersten Abschnitts wirklich kurz und man muss nicht umsetzen, während man sich mit zitterndem Arm ans Seil klammert.
Warnung für Höhenängstliche:
Für Leute mit Höhenangst ist dieser Steig eine Katastrophe! Und selbst wer nur leichte Probleme mit Tiefblicken hat, sollte sich das anhand der Fotos gut überlegen. Das Problem im Vergleich zu ebenfalls ausgesetzten Steigen wie z.B. der Weißen Gams besteht hier in der Länge der ausgesetzten Passage im unteren Abschnitt und im Fehlen von Stellen, wo man sich mal so richtig geschützt niederlassen und von den Tiefblicken erholen kann.
Das C/D am Einstieg befindet sich noch nah genug am Boden, aber schon am kleinen C-Überhang danach schaut man senkrecht 10 Meter hinunter, und ab dort wird es bis zum Erreichen des längeren Bands am Steigbuch immer schlimmer. Wer also spätestens auf dem kleinen Band nach dem C-Überhang Probleme bekommt, sollte besser wieder umkehren. Die folgende Plattenrampe erlaubt ungehinderte Tiefblicke, so dass selbst dieser vegleichsweise leichtere Abschnitt für Steffi fürchterlich war. Sie hat sich nur deswegen durchgekämpft, weil sie auf keinen Fall wieder absteigen wollte, da man dabei ja noch mehr hinunterschauen muss. Am Ende der Plattenrampe wartet dann die zweite C/D-Stelle, an der man nun zusätzlich auch noch zur anderen Seite in den Abgrund blickt.
Der Bereich vor dem Steigbuch bietet zwar ein klein bisschen Erholung, aber so richtig weit weg vom Rand kann man sich auch nicht hinsetzen. Ab dem Steigbuch wird es dann in der 3. C/D-Stelle etwas besser, weil man beim Blick hinunter zum Suchen der Tritte auf einen kleinen Vorsprung schaut. Diese Passage war noch die angenehmste für Steffi, bis ein kurze, aber stark ausgesetzte Querung vor der 4. C/D-Stelle nochmal kräftig zuschlug. Danach wird es mit kleinen Waldbändern und weniger schwierigen Stellen eine Weile deutlich besser, die letzte Rampe und die abschließende C-Stelle am Ausstieg sind aber nochmal recht unangenehm. Dort am Schluss bei all der bisherigen Angst und den entsprechend verkrampften Armen und Beinen sicher hoch zukommen, war mit das Schwierigste, da sich diese Stelle auch nicht gut nachsichern lässt.
Leider waren wir aufgrund der bislang spärlichen Berichte und Fotos dieses erst ein Jahr alten Klettersteigs nicht entsprechend vorgewarnt, sonst wäre Steffi gar nicht mit eingestiegen. Gott sei Dank hatten wir das Nachsicherungsset dabei, um sie sicher durch alle kritischen Stellen zu bringen, sonst hätte uns wohl die Bergwacht rausholen müssen.
Schwierigkeit C/D im Schall-Klettersteigatlas (Bewertungsskala).
Topografie als PDF zum Ausdrucken. Sie stammt aus unserem Klettersteig-Atlas Österreich, 4. Auflage, Mai 2011, Schall-Verlag, ISBN: 78-3-900533-63-2.
Die Einbindung hier erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Schall-Verlags für den privaten Gebrauch. Bitte verbreitet die Topos daher nicht im Internet weiter, sondern nutzt sie nur für euch selbst!
Griffhoehe
URLs via-ferrata.de klettersteig.de bergsteigen.com
Ausrüstung
  • Klettersteigset
  • Helm - An vielen Stellen tritt man kleine Steinchen los, die auf die Nachkletternden hinunter "regnen". Kein richtiger Steinschlag, aber aus ein paar Metern Höhe schmerzen auch diese Steine schon ziemlich.
  • Handschuhe - sehr wichtig, denn man muss einige Male kräftig zupacken und darf da nicht wegen schwitziger Hände rutschen.
  • Schuhe mit rutschfesten Sohlen sind wichtig, da es einige Reibungsabschnitte auf eher glattem Fels gibt. Die Kinder waren mit ihren Meindl-Wanderschuhen perfekt ausgerüstet, die haben eine sehr gute rutschfeste Sohle und sind gleichzeitig für die Krampen und Stifte stabil genug.
  • Rastschlinge: unbedingt, und möglichst so anbringen (Brustgurt Rucksack z.B.), dass die Kinder schnell drankommen, wenn sie in den anstrengenden Abschnitten die Kraft verlässt oder jemand unerwartet von Höhenangst übermannt wird! Zum schnellen Einhaken sind auf jeden Fall Klettersteigkarabiner an der Schlinge empfehlenswert.
    Ariane musste oft auf uns warten, und das ist ohne Rastschlinge nur an wenigen Stellen bequem möglich. Florian brauchte die Schlinge ab und zu fürs Umsetzen, z.B. im ersten C/D-Abschnitt, auch wenn in diesem Steig meist ein guter Stand zum Umsetzen möglich war. Sehr hilfreich war die Schlinge außerdem für uns alle im rutschigen Abschnitt auf der nassen Felsplatte.
Nachsichern Unbedingt! Florian habe ich zwar nur in der sehr steilen 3. C/D-Stelle gesichert, die für ihn wegen der Abstände schwierig war, aber in dem C-Überhang nach der 1. C/D-Stelle hätte ich es unbedingt machen sollen. Das hab ich falsch eingeschätzt, und als mir das klar wurde, war Florian dann doch schon durch. Er hat aber auch sehr viel Kraft und eine Menge Erfahrung, etwas weniger kräftige Kinder sollten hier unbedingt auch ans Seil.
Die 1. C/D-Stelle muss man nicht unbedingt nachsichern, wenn die Kinder entweder lang genug sind oder Übung in Verwendung der Rastschlinge zum Umsetzen haben. Die 2. und 4. Stelle sind jeweils nur sehr kurz, aber gerade für Kinder mit geringer Reichweite schwierig und sehr kraftraubend und man kann auch nicht besonders gut von oben ziehen oder unten schieben. Da muss man also selbst einschätzen, ob die Kinder das bewältigen können oder ob man sichert. Ariane und Florian haben beide Stellen gut geschafft, Ariane wegen ihrer Reichweite, Florian wegen seiner Kraft.
Steffi musste ich nicht wegen technischer Schwierigkeiten, sondern wegen der enormen Ausgesetztheit und damit verbundener wackeliger Knie und Arme in der 2., 3. und 4. C/D-Stelle sowie in der langen Platte unterhalb der 2. C/D-Stelle nachsichern.
Eignung für Kinder/Anfänger Anfänger: Keinesfalls! Kinder: Ja, wenn keine Anfänger :-) Die Anforderungen sind hier ziemlich hoch und der Steig darum definitiv nur für Kinder mit viel Erfahrung geeignet. Fehlende Reichweite lässt sich mit Kraft ausgleichen, dann sollten Kinder aber im Reibungsklettern und im Umgang mit der Rastschlinge geübt sein.
Ariane hatte nirgendwo wirklich Probleme, musste sich in den C/Ds aber schon anstrengen und lang machen und fand die auch nicht ganz einfach. Aber mit ihrer Reichweite konnte sie immer die perfekte, meist kräftesparende Linie finden und tat sich darum deutlich leichter als der kleinere Florian.
Florian benötigte sehr viel Kraft für die C/D-Stellen und kleinen Überhänge und hat oft die Rastschlinge benutzt, um sich beim Umsetzen einzuhaken und reinzusetzen. Sonst hätte er einige Male einen schlechten Stand gehabt und sich zum Umsetzen arg festklammern müssen. Helfen mussten wir ihm beim Umsetzen nie. Der Vorteil bei diesem Steig ist, dass sich Florians Körpergröße tatsächlich immer mit Kraft und zusätzlichen Reibungsschritten ausgleichen ließ und es nicht wie in der Hangelquerung der Weißen Gams Abschnitte gab, die unmöglich alleine zu bewältigen waren.
Wenn Kinder Florians Größe haben, aber nicht besonders kräftig sind, würde ich also abraten. In allen anderen Fällen kann man sich im Zweifel mal reinwagen und anhand der ersten C/D-Stelle und dem nachfolgenden C-Überhang, die sich beide gut nachsichern lassen, beurteilen, wie die Kinder klarkommen.
Vorbereitung/Vergleich Wir hatten mit Ausnahme der Pfeilspitzwand bisher noch nie so lange Stellen, in denen Kraft erforderlich war. Auch von der Anzahl der schwierigen und anstrengenden Stellen und der Ausgesetztheit her war dies zusammen mit der Pfeilspitzwand sicherlich unser bisher schwierigster Klettersteig. Selbst die Weiße Gams war etwas leichter, weil die anstrengenden Stellen dort kürzer oder einen Tick leichter waren, man vor allem aber danach immer einen perfekten Stand erreichte, was hier nicht immer so ist. Und gerade die 1. C/D-Stelle mit dem anschließenden Überhang und die 3. C/D-Stelle sind ziemliche lange Abschnitte, in denen die Anforderungen permanent hoch bleiben. Die Pfeilspitzwand war in eine Hinsicht noch schwieriger, denn dort gab es C/D-Stelle und sehr starke Ausgesetztheit gleichzeitig. Am Reintalersee hat man unter den schwierigen Stellen hingegen immer einen kleinen Absatz oder ein Band, so dass die Tiefblicke etwas abgeschirmt werden.
Man sollte als Vorbereitung mit Kindern möglichst viele andere Steige mit gemischten Anforderungen gegangen sein, z.B. die Leadership-Klettersteige, den Lehner Wasserfall mit seinen C-Kraxelstellen inkl. kleinem Überhang, aber auch den Steinwand-Steig in Arzl mit seinem steilen Aufschwung im ersten Teil. Der perfekte Übungssteig ist aber der Leite-Klettersteig in Nassereith! Die C/D-Stellen dort sind leichter und lassen sich perfekt nachsichern, und da auf Tritthilfen verzichtet wurde, kann man dort das Reibungsklettern mit Krafteinsatz hervorragend trainieren.
Ob man mit Ausgesetztheit klarkommt, sollte man auch unbedingt erstmal auf weniger schlimmen Steigen wie z.B. dem Lehner Wasserfall oder dem Steinwand-Klettersteig getestet haben. Schon ausgesetzter, aber das nicht so lange und mit mehr Erholung dazwischen geht es z.B. auf dem Huterlaner- oder dem Leite-Klettersteig zu, ebenso auf dem Laserer-Alpin-Steig, wo man im Zweifel die Leiter (nachgesichert) wieder runterklettern und aussteigen kann, wenn es einem oben schwindelig wird. Dort lässt sich außerdem das Reibungsklettern nochmal gut trainieren.
Sonstiges:
  • Der Steig ist jedes Jahr von Anfang Oktober bis Karfreitag gesperrt (siehe Webseite des Steigs) und darf tatsächlich wegen einer Vereinbarung mit dem Jagdpächter nicht begangen werden (es werden wohl sogar die ersten 20 Seilmeter ausgehängt).
  • Ab Ostern ist eine Begehung wegen der südseitigen Ausrichtung dann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit machbar. 1-2 Tage Sonne reichen offenbar, um die Wand komplett zu trocknen, denn 3 Tage vor unserer Begehung hatte es laut Webcam noch bis ins Tal runtergeschneit. Oben im Wald angelangt herrschte allerdings auch tiefster Winter.
    Bei oder direkt nach Regen sollte man auf keinen Fall gehen, denn der Fels hat in trockenem Zustand guten Grip, den man auch unbedingt braucht! An der kleinen (offenbar ständig) nassen Platte kurz vor dem Ausstieg haben wir gemerkt, wie schlecht der Halt dort auf einmal wurde. Wer im Sommer unterwegs ist, sollte allerdings keinen warmen und sonnigen Tag wählen, denn da wird man in der Wand vermutlich gegrillt.
  • Um bei diesem talnahen Steig inkl. Klettersteigsetverleih möglichst alleine unterwegs zu sein (was gerade beim zeitintensiven Nachsichern mit Kindern vorteilhaft ist, um da nicht gehetzt zu werden), empfiehlt sich ein Blick in den Ferienkalender von Österreich: die Pfingstferien sind eine Woche kürzer als in Bayern, aber selbst die Osterferien enden meist 2-3 Tage früher. An Schultagen in Österreich haben wir bisher noch nie übervolle Klettersteige erlebt, und auch hier hat das funktioniert: die Osterferien endeten in Österreich am 7. April, und so waren wir am 9. April, einem Donnerstag, mit Einstieg gegen Mittag ganz alleine unterwegs.
Zustieg:
Sagen wir mal so: Ich hab schon eine Menge Klettersteige gesehen, wo man sich mehr Mühe gegeben hat, einen ordentlichen Zustieg zu bauen. Die 170 Höhenmeter, die vom Parkplatz bis zum Einstieg zu überwinden sind, wurden durch 3 Faktoren sehr unangenehm: Erstens liefen wir die meiste Zeit in der Sonne, da der Steig offenbar absichtlich durch den Windbruchhang gebaut wurde (zumindest sah der schon deutlich älter aus als ein Jahr). Zweitens war es abschnittsweise unglaublich steil, fast so wie Treppensteigen mit 2-3 Stufen auf einmal. Und drittens war der Pfad derart schlecht befestigt, dass der Rand an vielen Stellen schon abrutschte, die Stufe nicht mehr waagerecht sondern schräg im Hang lag oder man hohe Stufe auf rutschigem (obwohl trockenem) Erdboden überwinden musste.
Der Zustieg hat jedenfalls schon nach kurzer Zeit tierisch genervt und hier wurde uns erst mal wieder klar, mit wieviel Sorgfalt und mit welch hohen Fähigkeiten die Bauern vor hundert Jahren ihre Pfade in steile Berghänge gebaut haben. Auf jedem alten Almsteig läuft es sich besser, und selbst die meisten "inoffiziellen" Jägerpfade sind von besserer Qualität. Bei Nässe kommt man hier vermutlich gar nicht hinauf, aber da sollte man den Steig ja eh besser nicht begehen.
Das einzig positive sind der schöne Wasserfall und der gut gebaute Anseilplatz mit Tisch und Bank, wo man wirklich bequem die Ausrüstung anlegen kann. Danach wird der Pfad im Wald zwar besser zu laufen, aber dafür noch steiler. Man ist dann schon irgendwie dankbar, wenn man endlich in den Fels einsteigen darf.
Klettersteig:
Der erste Abschnitt bis zum Band (blaue Positionstafel 1) stellt (außer bzgl. der Ausgesetztheit) den schwersten Teil des Klettersteigs dar, so dass man gleich weiß, was einen erwartet. Die Schwierigkeit wird im Folgenden vielleicht schon noch ein- oder zweimal knapp erreicht, aber nicht mehr auf so einer Länge.
Im C/D-Einstieg sieht man von unten zwar die gut aussehenden Felstritte, merkt aber rasch, dass man sich trotzdem mit viel Kraft im Seil festklammern muss, da man in der senkrechten Wand deutlich nach hinten hängt. Auch wenn man Umsetzen immer ausreichend gut steht, kann man zur Schonung der Arme ruhig auch mal die Rastschlinge zu Hilfe nehmen. Nach einer kurzen, weniger steilen Rampe schließt direkt die leicht überhängende C-Stelle an, die zwar nur kurz, aber kraftraubend und zumindest für Leute mit geringer Reichweite definitiv schwieriger ist als der C/D-Einstieg. Hier hätte ich Florian unbedingt nachsichern sollen, aber wie schwer der kleine Überhang bei seiner Größe ist, wurde mir erst klar, als ich sah, wie er sich da abmühte. Diese Kombination aus C/D-Aufschwung und leichtem C-Überhang ist wirklich schwierig und anstrengend, so dass man auf dem Band schonmal gleich eine erste Pause einlegen kann. Wer bis hierher schon arg überfordert ist, sollte sich gut überlegen, ob er nicht lieber wieder absteigt (was allerdings auch nicht einfach sein dürfte).
Bis zum Abzweig der Sport-Variante geht es dann erstmal etwas leichter hinauf, bis man erneut auf eine überhängende C-Stelle (Positionstafel 2) trifft, die zwar etwas leichter ist als die erste, aber auch hier muss man sich wieder anstrengen, um vom zurückgesetzten Trittbügel aus der Rückenlage hinauf zu kommen. Für Steffi wurde es hier schon richtig schwer, weil sie seit dem Band zunehmend wackelige Knie wegen der Tiefblicke bekam. Danach hofft man in einer einfach aussehenden Rampe auf Erholung, merkt aber rasch, dass das schräge Hinaufgehen selbst bei wenig Neigung und geringer Reibung nicht wirklich entspannend ist.
Die lange Plattenrampe nach dem Abzweig ist dann die größte Prüfung für Leute mit Höhenangst, da die Tiefblicke nicht mehr aufhören. Ansonsten ist die Rampe vergleichsweise leicht, denn obwohl sie immer steiler wird und man ganz allmählich immer stärker auf Reibung kraxeln muss, hat man immer guten Halt, da der Fels trotz der herabfallenden Wassertropfen trocken und sehr griffig ist. Außerdem helfen im steilsten Abschnitt gut platzierte Trittbügel, zwischen denen man zwar schon recht kräftig auf Reibung klettern muss, aber zum Umsetzen steht man auf ihnen selbst mit Florians Größe perfekt. Dank der Bügel ist auch die C-Stelle an Positionstafel 4 deutlich leichter als die beiden vorherigen. Steffi musste ich hier im gesamten steileren Abschnitt nachsichern, da die Ausgesetztheit zu belastend war.
Wer sich von den Tiefblicken zu zwei Seiten nicht stören lässt, kann unterhalb der 2. C/D-Stelle bequem auf ein paar Stufen sitzen, bevor er sich hinaufwuchtet. Die Stelle ist so kurz, dass man sie von unten nicht ernst nimmt und erst auf dem erneut gut platzierten Umsetz-Bügel merkt, dass man keine Ahnung hat, wie es weiter hinauf geht :-) Die 2-3 Reibungsschritte sind dann so eine "Kraftspitze", die sehr in die Arme geht, aber auch nur kurz dauert. Das Bereich vor dem Steigbuch ist dann sehr einfach, bietet aber leider nur wenige bequeme Sitze und schirmt auch nur an 1-2 Stellen wirklich so gut von der Kante ab, dass Steffi sich ein wenig sicherer fühlte.
Der 3. C/D-Aufschwung ist dann wirklich gut konzipiert. Zwar ist er anfangs wieder enorm steil, aber abgesehen von der untersten, feuchten Felsstufe hat man zwischen den zum Umhängen erneut passend gesetzten Bügeln guten Halt und kommt die Reibungstritte sicher hinauf. Wenn man so groß ist, dass man die oberen Bügel zum Festhalten mit der Hand erreichen kann, tut sich sogar recht leicht. Nach dem schrägen Queren der Wand, das aufgrund der Bügel sogar für Florian überraschend leicht war, folgen einige kleine Stufen, die teilweise anstrengend und nicht einfach zu überwinden sind, aber selbst bei kleinem Überhang alle nicht die Schwierigkeit der ersten beiden C-Stellen erreichen. Nachsichern ließ sich die gesamte C/D-Stelle perfekt, so dass Florian, der hier teilweise zu klein war, um von den Bügeln umsetzen zu können, das ohne Rastschlinge einfach im Sicherungsseil sitzend erledigen konnte.
Nachdem man in diesem Abschnitt vor Tiefblicken durch das kleine Band unterhalb der C/D-Stelle etwas geschützt war, geht es nun erneut sehr ausgesetzt durch eine kurze Querung, die technisch nur am Einstieg schwierig ist, hin zur letzten C/D-Stelle, die wieder so kurz ist wie die zweite. Statt senkrecht auf Reibung muss man hier mit Bügeln und guten Tritten, dafür aber stark überhängend hinauf. Bei Arianes Größe relativ einfach, aber Florian musste sich deutlich mehr mühen und längere Zeit die Kraftanforderung im Überhang aushalten. Da er aber in dieser Hinsicht gut trainiert ist, war ein Nachsichern unnötig.
Nach dieser letzten C/D-Stelle wird es entspannter. Nach einem kurzen Waldstück folgt eine kleine, leicht abdrängende Rampe, nach der man aber schnell einen guten Stand erreicht. Der erneute Aufstieg im Wald ist dann allerdings so steil, dass man auch hier die Hände zu Hilfe nimmt, wenn auch auch nicht am Drahtseil. Oben angelangt sollte man sich noch ein letztes Mal ausruhen, bevor man den letzten Felsabschnitt in Angriff nimmt.
Der eigentliche leichte B/C-Abschnitt zu Beginn war durch eine rutschige Felsplatte mit die schwierigste Stelle überhaupt, denn der recht glatte Fels war klitschnass (und laut Aussage eines Einheimischen, den wir beim Abstieg trafen, ist das offenbar häufig so). Wir hatten unglaublich schlechten Halt und mussten uns wirklich kräftig ins Seil klammern, da die Füße immer mal wieder unerwartet losrutschen. Darum haben wir alle 4 bei jedem Anker die Rastschlinge eingehakt, da es uns beim Umsetzen wirklich zu gefährlich schien, sich nur mit einem Arm zu halten. Auf der kleinen Rampe, zur der man mit kräftigem Griff ins Seil bei leichter Rückenlage hochkraxeln muss, war es Gott sei Dank wieder trocken, denn die Rampe war auch so nicht ganz ohne. Sie kippt in Richtung Abgrund und drängt einen durch vorspringende Felsen immer weiter nach außen, bis man den guten Stand vor dem letzten C-Aufschwung erreicht.
Der ist zwar nur anderthalb Meter hoch, dafür aber senkrecht und ohne jegliche Tritte. Das schräg ankommende Seil lässt sich erst oben auf dem Fels packen, und dann muss man reiner Armkraft die 2-3 Reibungsschritte halten. Florian hat 3 Anläufe gebraucht, aber als ich ihm gerade helfen wollte, war er oben. Nachsichern lässt sich die Stelle schwer, weil sich oberhalb lange Zeit kein Anker mehr befindet, aber man steht hier so gut, dass man Kinder im Zweifel ein bisschen hochschieben kann.
Ein paar Meter nach dem letzten Aufschwung endet das Seil und man befindet sich auf sicherem Boden mit Bank und Tisch und vor allem ausreichend Platz, so dass Steffi, für die zunehmend ausgesetzte Rampe und die letzte C-Stelle mit Tiefblick enorm anstrengend war, sich endlich mal richtig weit vom Rand entfernt erholen konnte.
Fazit: Ein anspruchsvoller Steig mit hoher Kraftanforderung, für geübte Kinder aber gut machbar. Nur mit Höhenangst ist man hier vollkommen falsch.
Abstieg:
Bitte unbedingt die Hinweise zur Straße und dem Feldweg nach dem Abstieg beachten (vgl. Karte sowie die Fotos unten)!
Leider ist auch der Abstieg phasenweise sehr nervig. Zunächst geht es nochmal ein paar Höhenmeter hinauf, bis man auf einen breiten und bequemen Waldweg trifft. Leider währt das Glück nicht lange :-) Der anschließende Pfad ist stellenweise so steil, dass man das Bedürfnis hat, in kleinen Schritten hinunter zu laufen, weil das Bremsen beim normalen Gehen sehr unangenehm ist. Gott sei Dank war es hier trocken, sonst wären die zahlreichen Wurzeln gefährlich rutschig geworden. Auf Dauer war es wirklich anstrengend für Füße und Beine und man hätte sich nach der langen Kraxelei ein bisschen was Erholsameres gewünscht. Selbst nach Erreichen eines Fahrwegs bleibt es noch kurzzeitig sehr steil, dann wird es langsam flacher und man darf gemütlich bis zur Straße schlendern.
Dort kann man allerdings nicht glauben, was sich die Klettersteigerbauer gedacht haben: Man soll tatsächlich 400 Meter am Straßenrand entlang latschen, und der wird stellenweise so schmal, dass uns wirklich unwohl bei den vorbeirasenden Autos wurde. So was als Rückweg auszuschildern ist wirklich bescheuert! Wir sind dann in die Wiese auf der anderen Seite gewechselt und haben erst anhand von zwei Joggern erkannt, dass wir dort auch bequem einem Feldweg zum See hätten folgen können, wo wir auf denselben Uferweg trafen, zu dem wir auch auf dem ausgeschilderten Straßenrand-Weg gelangten. Das wäre nur weniger Meter länger , dafür aber vollkommen ungefährlich gewesen. Ich empfehle dringend, sich unten die Fotos anzuschauen und direkt nach Erreichen der Straße auf diesen Feldweg zu wechseln.
Bitte beachtet die Gefahrenhinweise.
Attraktivität: Auch wenn der Zustieg enorm und der Abstieg ein bisschen nerven: Der Klettersteig selbst ist schon toll! Wir konnten das nicht immer so richtig wahrnehmen, weil wir vor allem schauen mussten, wie wir Steffi wieder heil da raus bekommen. Aber tatsächlich ist der Steig nicht nur gut konzipiert, er bietet auch ein wirklich schönes Kraxelvergnügen in einer sehr attraktiven Felslandschaft!
Schon am Einstieg ist man von den hochaufragenden Felsen (und dem engen Spalt, zu dem man leider nur sehr sehr rutschig hinsteigen kann) fasziniert, und nach dem ersten Felsband werden die Blicke hinauf zu den kleinen Dächern über der Plattenrampe immer beeindruckender. Überhaupt ist die Plattenrampe für Leute ohne Höhenangst einer der attraktivsten Abschnitte des gesamten Steigs. Hoch wie runter, rechts wie links tolle Felsen, und dazu noch der schöne Weitblick ins Tal und auf den Reintalersee!
Auch das Kraxeln selbst macht eine Menge Spaß, auch wenn man hier nicht im stufigen Fels klettert, sondern fast ausschließlich mit Reibung oder Bügeln arbeiten muss. Aber aus irgendeinem Grund ist das trotzdem abwechslungsreich und passt vor allem gut zu den Felsstellen, so dass es gar nicht unangenehm ist. Nur der letzte Abschnitt war mit dem nassen und sehr rutschigen Fels unschön, aber ansonsten hatten sowohl beide Kinder als auch ich viel Freude an der Bewältigung der steilen Stellen und kleinen Überhänge.
Und tatsächlich gibt es sogar auch im Zustieg eine Stelle, die Spaß macht: der kleine Abstecher zum Wasserfall, den man ganz früh von unten erkennt, ist wirklich schön und gibt einem nochmal die nötige Energie, um auch den restlichen Zustieg zu ertragen :-) Ganz ähnlich ist es im Abstieg: Gerade wenn der steile Pfad so richtig nervt, durchquert man für ein paar Minuten eine wunderschöne Steinschlagzone! Durch zahlreiche Schotterlawinen hat sich der Wald in ein "steinernes Meer" verwandelt, das ein bisschen verwunschen wirkt. Der letzte Teil des Rückwegs am Seeufer entlang ist zudem sehr malerisch und entschädigt hinreichend für die vorherigen Abstiegsmühen.
Es lohnt sich also insgesamt schon sehr, diesen Steig zu besuchen, und man sollte sich insbesondere vom Zustieg nicht abschrecken lassen.
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Die Bilder wachsen ein bisschen mit, ein großes Browser-Fenster lohnt sich also :-)
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Zum Start eignet sich am besten dieser kleine Parkplatz über der Halbinsel. Wenn man von Osten anfährt, kommt er nach dem großen Parkplatz, von Westen aus nach den beiden Restaurants mit der Engstelle dahinter. Der Zustieg beginnt nur wenige Meter weiter, und auf dem Rückweg kann man auf dem Seeuferweg entlang und es sich evtl. noch ein bisschen beim Baden auf der Wiese gemütlich machen. Ein Tagesticket kostet 4 Euro.

Maßgeblich ist hier unten das "Geöffnet"-Schild an der Klettersteigtafel. Auf den beiden Tafeln weiter oben stand noch in rot "Geschlossen", aber der Steig hatte auch vor weniger als einer Woche geöffnet und seitdem gab es quasi nur Regentage, so dass wohl noch niemand Lust hatte, zu den Tafeln hochzusteigen und die Schilder zu tauschen...

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Wenn man die Wiese ein Stück hinuntergeht, hat man die Felswand gut im Blick, allerdings lässt sich nur das Drahtseil der Sportvariante (links) erkennen, wo auch gerade jemand klettert. Der "normale" Klettersteig ist immer ein bisschen durch Einschnitte oder Bäume verdeckt. Der Zustieg beginnt direkt ziemlich steil, ist unten aber wenigstens noch ein echter Pfad.

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Auf dem Fahrweg muss man nur 10 Meter entlang, dabei überquert man den Bach, der weiter oben den schönen Wasserfall bildet. An der roten Linie befindet sich das Band vor dem Steigbuch, das allerdings viel weniger angenehm ist, als es in der Topographie von bergsteigen.com aussieht. Die luftige C/D-Stelle kann man gleich noch besser erkennen.

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Nach der Fahrwegsüberquerung wird der Pfad leider sehr schnell unangenehm. Die Windbruchschneise kann noch nicht sehr alt sein, und da es den Klettersteig erst seit einem Jahr gibt, hätte man den Zustieg dann bewusst in sie hinein gebaut. Eine bescheuerte Wahl, denn zum einen wird es im Südhang in der Sonne ziemlich heiß und wir haben bei 14 Grad im Schatten schon mächtig geschwitzt. Zum anderen ist der Untergrund unglaublich schlecht und wird häufiges Nacharbeiten erfordern. Der Pfad ist an vielen Stellen rutschig oder schlecht befestigt, die Stufe ist oft abschüssig und der Rand ziemlich bröselig. Dazu ist es natürlich auch noch ausgesprochen hässlich. Man merkt hier ganz deutlich den Unterschied zwischen früher sorgfältig angelegten Almpfaden (oder selbst inoffiziellen Jägersteigen) und so einem "hingerotzten" Zustieg, der offenbar nur als "notwendiges Übel" betrachtet wurde, so dass man sich keine Mühe damit gegeben hat. Leider muss man über 100 Höhenmeter in diesem unangenehmen Hang zurücklegen, bis man den Anseilplatz erreicht. Wirklich schade, dass einem die Vorfreude aufs Kraxeln hier derart verdorben wird.

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Selbst bei nur geringer Feuchtigkeit dürften solche Stufen schwierig werden. Das einzige, was einen ein bisschen ablenkt, sind die immer wieder beeindruckenden Blicke nach oben. Die lange Plattenrampe verläuft genau hinter der Kante, auf der man auch einen Kletterer erkennen kann, und endet an der sehr luftigen C/D-Stelle, die sich oben auf dem kleinen Vorsprung befindet.

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Zu der einzig schönen Stelle im Zustieg zweigt es in dieser kleinen Baumgruppe ab. Der kurze Abstecher lohnt sich unbedingt, denn der Wasserfall ist wirklich viel faszinierender, als das auf dem Foto rüberkommt (da ich mit dem Ersatzfotoapparat unterwegs war, ist sowieso alles noch etwas "farbtrister" als zu dieser Jahreszeit eh schon :-)).

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Nach dem Wasserfall wird der Pfad noch steiler, aber immerhin erreicht man dann einen wirklich gut gebauten Platz, an dem man seine Ausrüstung bequem und gefahrlos anlegen kann. Und das sollte man auch unbedingt hier tun, denn danach kommt keine Stelle mehr, an der man wirklich bequem stehen kann. Wer hier das Gefühl hat, "Boah, war das ein Mist bisher", der kann beruhigt sein: Der Klettersteig wurde mit sehr viel mehr Liebe angelegt und entschädigt definitiv für den Zustieg :-) Hier hab ich übrigens tatsächlich auf dem Fotoapparat nachgeschaut, ob unten auf der Tafel wirklich "geöffnet" stand, denn wir hatten gar nicht drauf geachtet und wurden nun etwas unsicher, ob der Steig wirklich am Karfreitag geöffnet worden war...

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Aha, die erste A/B-Stelle :-) Nach dem Anseilplatz wird der Pfad noch viel viel steiler, verläuft aber durch den Wald und ist darum gleich viel schöner und dank einiger befestigter Stufen auch angenehmer zu gehen. Kurz vor dem Beginn des Drahtseils wird es sehr rutschig, der weitere Zustieg zu dem schönen Spalt im Hintergrund ist fast nicht möglich. Direkt am Seil können aber 3 Leute in Ruhe stehen, während der erste loskraxelt. Der Einstieg ist übrigens mustergültig: bis zum Erreichen des kleinen Bands (gelb) passiert man mit den schwierigsten Abschnitt auf dem gesamten Steig, so dass man direkt weiß, was einen erwartet und ob man besser direkt wieder absteigt.

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Wenn man von unten so schaut, denkt man sich "Ach, da sind ja einige gute Zacken im Fels, da wird man schon gut stehen können!" Ganz so leicht ist es aber nicht,...

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...denn es ist zwar tatsächlich keine Reibungskletterei, aber man hängt schon ziemlich nach hinten und braucht daher trotzdem eine Menge Kraft, um sich vor allem beim Umsetzen mit nur einer Hand festzuhalten. Nicht umsonst ist das hier eine von 4 C/D-Stellen. Erst weiter oben, bevor das Seil abbiegt, steht man besser. Man muss übrigens ab dem ersten Meter auf Steinschlag achten. Ich hab immer wieder kleine Steinchen von Ariane abgekommen und Florian und Steffi selbst welche hinuntergeschickt. Selbst wenn die nur winzig sind, tut es verdammt weh, wenn man so eins ins Gesicht bekommt. Helm ist also ab dem ersten Meter unbedingt zu empfehlen!

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Florian hat sich zum Umsetzen in die Rastschlinge gesetzt, weil er aufgrund seiner Größe noch mehr Schwierigkeiten hatte, einen guten Stand zu finden. Ansonsten hilft es auch sehr, wenn man die Anker als Tritt "missbraucht".

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Sobald das Seil nach rechts abbiegt, kann man sich auf der kleinen Rampe erholen. Wer zum richtigen Zeitpunkt die Seite wechselt, hat immer schöne Tritte und kleine Standplattformen. Wer den ersten Teil schon viel zu schwierig fand, kehrt am besten jetzt um, denn nach der nächsten Hürde wird das deutlich unangenehmer.

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Die zumindest für nicht so große Leute eigentlich viel schwierigere C-Stelle folgt unmittelbar. Sie hängt etwas über (Ariane ist gerade oberhalb des schattigen Vorsprungs) und schon der Zustieg bis dorthin ist nicht leicht. An meiner Position steht man noch recht gut, dann muss man erstmal mit Reibung und Armkraft bis auf den Bügel. Auf dem steht man aber auch nicht wirklich bequem und muss dann gleich weiter in den Mini-Überhang. Der Fels ist dort zwar griffig, so dass man mit den Füßen nicht abrutscht, aber man muss schon wirklich kräftig zupacken.

Für Florian war das die schwierigste Stelle überhaupt, weil die Abstände alle nicht passten. Im rechten Bild hängt er zum Umsetzen mit der Rastschlinge im grünen Anker, weil er vom letzten Stand unterhalb des Bügels den Anker nicht erreichen konnte. Danach musste er sich aus der hängenden Position auf den Bügel hochwuchten.

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Während wir anderen vom Bügel aus über den roten Anker umsetzen und dann den Vorsprung in einem Zug überklettern konnten, musste Florian vom Bügel auf Reibung soweit hoch, dass er die Rastschlinge in den roten Anker einhängen und wieder frei baumelnd umsetzen konnte. Dann hieß es: in den Fels stemmen, mit einem Arm in Rückenlage festhalten und die Rastschlinge raus, dann aus der Rückenlage (die für ihn wegen der kurzen Beine viel stärker war als für uns) über den Vorsprung klettern. Sein erster Versuch rechts herum im linken Bild schlug fehl und er musste sich wieder etwas runterlassen und weiter links Halt mit den Füßen im Fels suchen, wo er sich dann schließlich mit dem Knie über die Kante hochdrücken konnte.

Natürlich hätten wir Florian hier nachsichern müssen, und es war mein Fehler, dass ich beim Durchsteigen nicht erkannt habe, wieviel schwieriger die Stelle für Florian sein würde. Als mir das (quasi im linken Bild) klar wurde, wollte ich ihm gerade sagen, er soll sich wieder in die Rastschlinge setzen, aber da hatte er sich schon in Windeseile auf die andere Seite hinüber- und von dort hinaufgekämpft. Wer also mit ähnlich "kurzen" Kindern unterwegs ist: Unbedingt nachsichern! Das geht von oben auch perfekt, man hat dort einen guten Stand.

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Bis zum erholsamen Band ist es nach der C-Stelle nicht mehr weit, und es sieht auch sehr leicht aus. Allerdings ist es weiterhin sehr steil (sieht man gleich noch) und die kurze Stufe, unter der ich links stehe und die Florian rechts gerade überwindet, ist in der Tat nochmal etwas schwierig.

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Danach steht oder sitzt man erstmal bequem. Für Steffi war es allerdings kein bisschen erholsam, denn das Band ist nur sehr schmal und die Wand darunter fast senkrecht. Man schaut jetzt schon gut 15 Meter in die Tiefe, und das ist für Leute mit Höhenangst schon mehr als ausreichend. Wem hier arg schwindelig wird, der sollte sich also überlegen, ob er lieber wieder umkehrt. Der Abstieg über die C-Stufe ist aber natürlich nicht ohne, da sollte man unbedingt von oben nachsichern. Steffi hat hier schon mit sich gekämpft, aber die Vorstellung, den Vorsprung hinunterklettern zu müssen, war ihr derart unangenehm, dass sie lieber die Flucht nach oben angetreten hat. Rechts erkennt man, wie steil das letzten Stück unterhalb des Bands ist, auch wenn der Weitwinkel zum Rand hin etwas verzerrt.

Mit der Kombination aus C/D-Einstieg und dem kleinen C-Vorsprung war dieser erste Teil schon ziemlich kraftkraubend und definitiv mit das schwierigste, schwerer wird's nicht mehr! Die 2. und 4. C/D-Stelle sind nur kurz, die 3. ist ähnlich wie die erste, aber etwas länger mit noch ein paar "nachgeschobenen" kleinen, nicht ganz leichten Stufen. Aber dort hat man öfters einen guten Stand auf Bügeln oder im Fels, so dass es insgesamt leichter ist als dieser erste Abschnitt. Wer hier gut zurecht kam, wird also auch im Rest des Steigs nicht überfordert.

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Vom Band weiter hinauf ist es anfangs nicht sehr schwierig, man muss nur immer schauen, ob man rechts oder links vom Seil die besseren Stufen findet.

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Der Blick nach oben macht jedesmal unglaublich viel Freude :-) Und nicht erschrecken: Das sehr sehr luftige Drahtseil, das man da ganz oben entdecken kann, gehört zur Sportvariante, die in Kürze abzweigt. Vorher muss man aber noch durch eine kurze, nicht ganz einfache C-Stelle. Der Weg bis zum Bügel (den man links auch schon erkennen kann) ist nicht so wild, da läuft man zwar schräg auf Reibung, aber es nicht sehr steil. Der Fels über dem Bügel springt aber deutlich vor, so dass man trotz dieser Tritthilfe wieder mal kräftig zupacken muss, um in der Rückenlage hinauf zukommen. Allerdings leichter als der C-Überhang unten.

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Links Florian auf dem Weg zur C-Stelle, rechts ist er gerade hinauf und hat sich zum Ausruhen und Umsetzen in den Anker oberhalb gehängt.

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Bis zur Verzweigung kann man dann gut die Rutschfestigkeit seiner Schuhe testen. Je besser die Sohlen, desto weniger Armkraft braucht man in dieser schon sehr steilen, aber recht griffigen Rampe. Ein bisschen aufpassen muss man auf den Fels, der von links in Kopfhöhe ziemlich weit hineinragt.

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Die Verzweigung zur Sportvariante, in die man nicht versehentlich abbiegen kann. Hier war für Steffi die letzte Möglichkeit vor dem breiten Band, sich nochmal kurz hinzusetzen, denn die Ausgesetztheit war hier schon enorm, wie man am vorigen Foto erkennen kann. Unser Weg geht rechts weiter durch die beeindruckende und wunderschöne Plattenrampe hinauf zur C/D-Stelle (gelber Pfeil), die man von unten erkennen konnte. Wer keine Probleme mit Höhenangst hat, wird diesen Abschnitt lieben! Es ist vergleichsweise einfach, wenn man mit Reibung zurecht kommt, man hat einen tollen Blick hinauf zum Felsdach, hinunter in den Einschnitt und in die Ferne. Eine wirklich beeindruckende Stelle! Etwas überrascht waren wir anfangs über die vielen Wassertropfen, die hier immer wieder auf unsere Helme platschten, aber da wussten wir ja auch noch nicht, welche Schneemassen oben im Wald noch vor sich hin schmolzen.

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Felstritte gibt es in der Rampe nur ganz selten, man läuft die meiste Zeit auf Reibung auf der zwar glatten, aber trotzdem griffigen Felsplatte. Es ist zwar nie richtig schwierig, aber auf Dauer wird es dann doch anstrengend, weil man sich natürlich immer gut festhalten muss und die Füße fast immer schräg stehen.

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Nach der kleinen Querung, in der die Kinder im vorigen Bild sitzen, wird es im rechten Bild deutlich steiler. Oben sind aber schon die paar Trittbügel erkennbar, die im steilsten Abschnitt genauso so platziert sind, dass man zum Umsetzen entspannt stehen kann. Oben sieht man schon die kleine C-Stelle.

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Der Blick hinunter ist wirklich unglaublich beeindruckend und schön! Aber man kann sich denken, wie sich Steffi hier gefühlt hat, und darum hatten wir natürlich alle nicht so richtig viel Freude, weil wir uns Sorgen gemacht haben. Sie wollte aber auf gar keinen Fall wieder runter und dabei ständig in den Abgrund schauen müssen, sondern lieber Augen zu und hoch. Florian und ich sind dann erstmal weiter bis über die C-Stelle, danach bin ich nochmal abgestiegen und hab Steffi in diesem steilsten Abschnitt nachgesichert, in dem Florian gerade klettert. Auch er konnte von den Bügeln aus umsetzen, aber die kurzen Abschnitte dazwischen waren schon anstrengende Reibungskletterei mit sehr viel Armkraft.

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Je näher wir dem Felsdach kamen, desto toller sah es aus! Die kleine C-Stelle unter ihm ist nicht so wild, wie es aus dieser Perspektive wirkt, sie ist sogar einen Tick leichter als die C-Stelle vor der Verzweigung zur Sportvariante. Man steht gut auf dem kleinen Felsband unter dem ersten Bügel, der Schritt auf ihn hinauf ist allerdings sehr hoch und der Fels springt deutlich vor, so dass man erstmal wieder in Rückenlage gerät. Vom ersten auf den 2. Bügel ist schon deutlich leichter, und dann steht man wieder sehr gut. Für Florian waren die Abstände ein bisschen zu groß, aber er hat die oberen Bügel zum Festhalten genutzt, und damit ging es dann problemlos und ohne Rastschlingeneinsatz.

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Das Band bis zum Baum ist eine echte Erholung, und dort haben die Kinder erstmal gewartet, damit ich mich um Steffi kümmern konnte. Zwei Meter hinter Ariane gibt es unterhalb der C/D-Stelle noch bessere Stufen zum Sitzen, hier sind allerdings Fern- und Tiefblick deutlich schöner!

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Wie man von unten erkennen konnte, geht es hier zu beiden Seiten runter, also nichts mit Erholung, lieber schnell weiter hinauf. Die C/D-Stelle ist zwar nur kurz und sieht von unten auch harmlos aus, aber als Ariane auf dem Bügel in der Bildmitte stand, meinte sie "Äh, ...hmmm, ...und jetzt?" Ja, hilft nix, man muss mit beiden Armen richtig kräftig zupacken, um in der trittlosen und fast senkrechten Platte genügend Druck auf die Füße zu bekommen. Das ist wirklich enorm anstrengend, aber nach 2-3 Schritten ist man schon oben.

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Florian ist mit seinem Kraft-Masse-Verhältnis noch leichter hinauf gekommen als Ariane, Steffi habe ich nachgesichert.

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Danach bleibt das Seil leider sehr nah an der Kante, so das man nicht in das Gelände nach rechts ausweichen kann. Die beste Stelle befindet sich an dem roten Baum, wo sich Steffi zwischen Baum und Fels setzen konnte und sich so zumindest ein paar Meter vom Abgrund entfernt und vor allem ohne Tiefblick ausführlich erholen konnte. Tatsächlich wird es ab jetzt aber auch etwas weniger schlimm mit der Ausgesetztheit.

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Das Seil von der Sportvariante kommt quasi aus dem Nichts herauf :-)

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Bevor man zwischen den Bäumen hinaus auf das luftige Band beim Steigbuch tritt, kann man das Seil oberhalb der C/D-Stelle erkennen.

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Die 3. C/D-Stelle. Senkrecht, wieder deutlich länger, aber aufgrund geschickt platzierter Trittbügel einen Tick leichter als der Einstieg ganz unten. Vor allem, wenn man groß genug ist, um den jeweils nächsten Bügel zum Festhalten benutzen zu können. Wer kleiner ist, braucht entsprechend mehr Kraft, das Reibungsklettern ist aber nicht ganz so schlimm wie in der letzten C/D-Stelle. Und auf den Bügeln steht man immer wieder kurz richtig gut, um sich zu erholen, und kann vor allem wieder bequem umsetzen, ohne sich dazu mühsam mit einer Hand am Seil festklammern zu müssen.

Unangenehm war es allerdings unten am Einstieg, denn da war der Fels ein klein wenig nass, was sich Gott sei Dank nur bei den ersten 1-2 Schritten bemerkbar gemacht hat. Da war der Halt im Fels aber gleich viel viel schlechter! Vermutlich ist das der Sabber, der dem Frosch aus dem Maul läuft vor Freude auf das Mittagessen, dass da so bereitwillig direkt auf ihn zuklettert. (Wie, "welcher Frosch"? Also bitte!)

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Wer den Anker (gelb) als Hilfstritt benutzt, kann die recht anstrengenden Schritte hinauf zum obersten Bügel deutlich entschärfen.

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Die Querung ist dann nicht so wild. Zwar ist es schräg auf Reibung immer unangenehmer, aber hier finden sich doch kleine Tritte im Fels, und man kommt auch sehr gut auf die beiden Bügel hinauf, die wieder perfekt zum einfachen Umsetzen platziert sind, selbst für Florians Größe. Da haben die Erbauer wirklich gut mitgedacht!

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Nach der Querung geht es vom 2. Bügel aus nochmal kurz, aber kräftig auf Reibung hinauf, dann erreicht man die Stelle im rechten Bild. Dort hinaufzukommen ist wegen eines leichten Überhangs nicht leicht (ist auch nochmal C), aber unterhalb befindet sich ein hervorragender Standplatz, um die C/D-Stelle nachzusichern (sieht hier gar nicht so aus, ich weiß, aber es ist so. Man macht sich selbst und das Set an dem Anker am Pfeil fest und steht perfekt). Weiter hinauf sollte man dazu nicht steigen, denn dann sieht man das Seil unten am Einstieg nicht mehr. Wer noch weiter sichern will, kann die Nachsteigenden erstmal bis hierher holen und dann weiter hinaufsteigen und erneut sichern.

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Obwohl es unten am Einstieg ziemlich abschüssig ist (erkennt man oben im Bild mit Ariane neben dem Steigbuch und der Tafel), wirkt der Vorsprung von oben wie ein recht breites Band und schirmt den Blick in die Tiefe etwas ab. Darum war es hier für Steffi erstmal deutlich entspannter. Florian kam durch die C/D-Stelle ziemlich gut durch, er ist ja sowieso der beste Reibungskraxler von uns allen. Anders als in der Querung kam er im senkrechten Teil aber von den Bügeln aus nicht immer zum Umsetzen an den Anker. Statt Rastschlingentechnik konnte er hier aber einfach "Zu!" rufen, wie wir es beim Hallenklettern gerade gelernt hatten, und bequem im Seil baumelnd umsetzen.

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Die Querung war für ihn kein Problem.

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Den kleinen Aufschwung vom Standplatz aus (ich schau da gerade von unten in der Querung aus hoch, zum Nachsichern stand ich dann oben auf der Kante am weißen Pfeil) fand Ariane anstrengend und nicht ganz leicht. Am besten geht es, wenn man vom Standplatz über den Nachsicherungsanker umsetzt und dann soweit hinaufkraxelt, bis man sich auf ihn stellen kann, und dann erst weiter über den nächsten Anker umsetzt.

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Danach wird es erstmal wieder entspannt. Steffi hab ich zusätzlich noch über die beiden kleinen Aufschwünge nach der Querung und über dem Standplatz nachgesichert.

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Die verflixte 7. Position ;-) Tatsächlich ist diese Stelle an Tafel Nr. 7 schwieriger, als sie aussieht. Der Einstieg von dem erdigen Band aus ist ziemlich steil, und rechts herum, da wo ich im rechten Bild stehe, geht es auch nicht besser, weil man da nicht gut hinüber zur Trittlinie (gelb) kommt. Technisch ist die Querung dann nicht schwierig, sobald man hinaufgekommen ist, aber im rechten Foto ahnt man schon,...

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...dass der Tiefblick jetzt wieder zum Problem wurde.

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Dafür ist die Aussicht von dieser Stelle aus aber auch besonders schön!

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Die 4. und letzte C/D-Stelle. Für große Leute ziemlich einfach, aber für Florian ziemlich schwierig. Unterhalb steht man erstmal ziemlich gut und kann sich in Ruhe überlegen, wie man da hinaufkraxeln will. Der Fels hängt über und vor allem der untere, hier verdeckte Bügel, auf dem Florian im linken Foto mit dem rechten Fuß steht, springt ziemlich zurück, so das man in deutlicher Rückenlage losklettert und bei Florians Größe auch so umsetzen muss. Danach konnte Florian nicht mit dem Fuß auf den oberen Bügel, den man rechts sehen kann, weil er zwangsläufig zu nah an der Wand war, so dass er das Knie vor dem Körper nicht so weit hochziehen konnte. Und seitlich neben den Bügel konnte er sich auch nicht stellen. Nach ein bisschen Probieren hat er es geschafft, den linken Fuß ein bisschen über dem unteren Bügel abzustellen und dann den für ihn riesigen Schritt rechts über das Seil zu machen und sich dann dort hinaufzuziehen. Wer nicht ganz so kräftige Kinder in der Größe dabei hat, sichert am besten von oben nach oder hilft von unten, das geht hier auch ganz gut.

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Wer Arianes (= Steffis) Reichweite hat, tut sich deutlich leichter, da er von unten schon mal umsetzen kann. Danach reichen im Zweifel 4 Schritte: Mit rechts auf den (gut getarnten) Bügel, mit links auf die nicht erkennbare, aber vorhandene Trittkante an der gelben Linie, mit rechts auf den nächsten Bügel, und mit links ist man oben.

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Beim Blick zurück schaut nur der obere Bügel heraus, der untere verschwindet vollständig unter dem Vorsprung. Man kann von hier aus hervorragend nachsichern, und das haben wir mit Steffi auch gemacht. Danach gibt's erstmal wieder einen kurzen Grasabschnitt zum Verschnaufen nach Ausgesetztheit und Überhang, auch wenn's zum wirklich gemütlichen Sitzen zu steil ist.

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Der kleine Fels am Ende des Grashangs ist relativ leicht, unten noch etwas steiler und man hängt leicht nach hinten, oben wird's dann schnell waagerecht. Da war dann Florian tatsächlich mal deutlich zu klein :-) Während Ariane problemlos über den Anker oben auf dem Felsblock umsetzen konnte...

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...musste Steffi das für Florian tun, sonst hätte er hinaufkraxeln und oben drüber steigen müssen. Allerdings ist auch das Hinaufkommen von dem kleinen Vorplatz, wo Florian gerade hingeht, nicht ganz leicht. Es gibt keinen richtigen Tritt und der Block ist ziemlich hoch. Für Florian war das Seil zu weit oben, um mit einem Reibungstritt hinaufzukommen, also hat Steffi ihn ein bisschen von unten hochgeschoben.

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Der Aufstieg nach dem Felsblock gleicht einer Treppe, auf der man immer 3 Stufen auf einmal nimmt. Es ist nicht schwierig, aber anstrengend. Das Drahtseil braucht man hier nicht, sondern kraxelt eher mit den Händen an den zahlreichen Wurzeln hinauf.

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Hier ist nochmal Platz für eine Rast, aber der Hang ist wieder so steil, dass es schwierig war, Sitzplätze für uns alle 4 zu finden. Wer hier rastet, muss aufpassen, dass er Helm und Rucksack beim Ablegen am Seil angurtet, sonst rollen die schnell mal los und sind nach ein paar Metern im Abgrund verschwunden.

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Nach dem Grashang ist der Steig schon fast zu Ende, nämlich dort, wo im rechten Foto das Seil oben verschwindet. Das letzte Stück war aber unerwartet schwierig!

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Der Grund war das Wasser, das aus dem Felsspalt sickerte. Der Abschnitt vom Bügel, auf dem Florian rechts steht, hinauf und nach links rüber war klitschnass und darum hatten die Füße so gut wie keinen Halt.

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Wir mussten uns trotz der geringen Steigung mit enormer Armkraft in den Fels stemmen, um nicht wegzurutschen. Sobald ein Fuß mal ein bisschen in Bewegung kam, fing er gleich an zu rutschen und wir hatten gar keinen Halt mehr. Darum haben wir auch oben an dem Anker, wo das Seil abbiegt, alle die Rastschlinge eingehängt, um beim Umsetzen nicht abzurutschen. Die kurze Querung nach links kann man dann sogar mit eingehängter Rastschlinge machen, das ging deutlich leichter. Hier wurde uns klar, wie wichtig es ist, den Klettersteig nicht unmittelbar nach Regen oder bei starker Schneeschmelze zu gehen. Die Abschnitte weiter unten wären bei dieser Feuchtigkeit nicht zu schaffen gewesen.

Hinauf auf die Rampe am Ende der nassen Platte war dann für Florian ausnahmsweise mal einfacher als für uns. Der Fels war hier wieder trocken, darum kam er mit ein bisschen Kraftaufwand gut hinauf und hat sich zum Umsetzen kurz in die Rastschlinge gehängt. Als Erwachsener läuft man hingegen erstmal automatisch auf der gelben Linie weiter und müsste dann deutlich steiler und anstrengender hinauf. Am besten setzt man darum von unten aus über den eingekreisten Anker um, geht dann wieder einen Meter zurück und so wie Florian hinauf (vorausgesetzt das Klettersteigset hat genügend lange Äste). Wenn man das Umsetzen nicht zuerst macht, muss man es quasi in der Hocke nachholen, und das ist dann ziemlich unangenehm.

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Hier sieht man Steffi beim Versuch, von der gelben Linie aus hinaufzukommen, so wie Ariane und ich es mühsam gemacht hatten, aber sie ist dann das Stück zurückgegangen und hat Florians leichteren Weg genommen.

Auf der Rampe hat man dann einen recht guten Halt, allerdings wird man oben immer weiter nach außen gedrängt, so dass es doch ein bisschen schwieriger war als erwartet.

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Vorsicht vor dem hinausragenden Fels neben Ariane, da kann man sich den Kopf kräftig anhauen, wenn man zu sehr auf den Boden vor sich achtet. Rechts hat Florian den kleinen Standplatz unter der letzten C-Stelle erreicht. Die ist wirklich nochmal schwierig, denn der Felsblock ist zwar nicht sehr hoch, aber senkrecht und vollständig trittlos. Man muss nochmal richtig kräftig zupacken und mit zwei anstrengenden Reibungsschritten hinauf, aber...

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... da das Seil oben auf dem Fels in die Waagerechte wechselt, ist das Festhalten deutlich schwieriger als in einer vertikalen Passage. Das C ist also schon gerechtfertigt. Florian hat 3 Anläufe gebraucht, weil er nicht so gut ans Seil oben kam wie Ariane. Steffi hatte hier große Schwierigkeiten, denn neben der Rampe und vor allem an der C-Stelle geht es doch schon wieder ein paar Meter runter und ihr fehlte jetzt nach den vielen psychisch anstrengenden Stellen ein bisschen die Kraft. Dummerweise kann man hier von oben nicht nachsichern, weil man sich selbst nirgendwo festmachen kann. Das Seil verläuft jetzt auf dem Boden und der nächste Anker ist meterweit entfernt. Auch die Hand geben und Hochziehen ist nicht möglich, ohne dass man sich selbst der Gefahr aussetzt, kopfüber wieder hinunterzustürzen. Ich wollte schon wieder hinuntersteigen, aber dann ist sie mit letzter Kraft doch selbst hinaufgekommen.

Man sollte also an der C-Stelle alle vorbeilassen, die evtl. Unterstützung benötigen, denn wenn man sich selbst mit der Rastschlinge im Anker sichert, kann man problemlos von unten helfen, und wenn es mit einer Räuberleiter ist.

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Dann endet das Seil auch schon und man kann sich nach rechts in ungefährliches Gelände begeben. Der Tisch ist zwar ein bisschen nah an der Kante platziert, aber Richtung Berg ist eine Menge Platz zum gefahrlosen Sitzen. Und jetzt können sich Höhenängstliche definitiv entspannen, das war's mit Ausgesetztheit :-)

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Das ist das Schöne an diesem Reintalersee-Klettersteig: Mag oben auch noch tiefster Winter herrschen, die Südwand ist nach ein paar Sonnentagen schneefrei und trocken. Der Rückweg führt erst noch ein paar rutschige Meter hinauf, dann läuft man einige Zeit relativ waagerecht durch den Wald.

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Leider wird dann der Abstieg auch für längere Zeit recht unangenehm. Es handelt sich hier zwar um einen richtigen Pfad, aber er ist abschnittsweise so steil, dass man manchmal lieber in kleinen Schrittchen hinunterlaufen will, weil das ständige Bremsen beim normalen Gehen unangenehm wird. Erfreulicherweise war es hier wieder trocken, sonst wären die vielen kleinen Wurzeln bestimmt sehr rutschig geworden.

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Schön ist dieser Waldabschnitt aber definitiv! Vor allem in der Steinschlagzone, wo die Atmosphäre mit dem vielen Schotter und den teilweise großen Felsbrocken ein bisschen verwunschen wirkte. Im rechten Fotos kann man sie hinten noch nicht sehen, aber tatsächlich taucht irgendwann mal eine Bank auf, und für die waren unsere Füße wirklich dankbar :-)

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Wenn man auf den ersten Forstweg trifft, ist es nochmal für 100 Meter unangenehm steil, dann wird es stetig besser und man kann in entspanntes Schlendern übergehen. Nach einiger Zeit auf verschiedenen Forstwegen hat man in einer Linkskurve den Blick auf die Wiese im Tal. Dort zweigt in kleiner Pfad den Hang hinunter ab, aber wir haben uns nicht getraut, ihn zu nehmen, weil wir den weiteren Straßenverlauf nicht kannten. Kann man aber tun, denn dadurch spart man sich die lange und langweilige Kehre im nächsten Bild.

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Unten an der Bundesstraße angelangt fragt man sich dann, ob die Verantwortlichen für den Klettersteig eigentlich komplett bescheuert sind. Tatsächlich führt der ausgeschilderte Rückweg am teilweise nur einen Meter breiten Randstreifen neben der Straße entlang, wo die Autos mit 100 km/h vorbeirasen. Wer schlau ist, wechselt direkt bei Erreichen der Straße auf die andere Seite und geht unterhalb auf der Wiese weiter, bis er den Feldweg erreicht. Wir wussten noch nicht, dass man dem folgen kann, und sind darum entlang der türkisen Linie weitergegangen, als es uns an der Straße zu gefährlich wurde.

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Hinten erkennt man den Feldweg. Wir wussten nicht, ob der nicht nur auf die andere Seeseite führt, da er in der Karte nicht verzeichnet war, sahen dann aber zwei Jogger auf ihn einbiegen, die dann auf unserer Seeseite weiterliefen. Da muss also zumindest ein Trampelpfad vorhanden sein. Wir sind hinter "Toni's Seealm" rechts runter zum See gestiegen und dort mit dem Weg der Jogger zusammengestoßen.

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Vom Klettersteig ist von hier aus nichts zu sehen, durch den Wald verläuft der Rückweg.

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Der Uferweg ist dann wirklich schön und ein versöhnlicher Abschluss des ansonsten nicht ganz so tollen Rückwegs. Man muss zwar noch einmal hinauf zum Parkplatz an den beiden Restaurants (die überzeugten uns vom Angebot und Preis her beide nicht sonderlich), aber danach geht es gleich wieder hinunter zum See und dort machte das Laufen wirklich Spaß.

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Fazit des Tages: Grottiger Zustieg, unschöner Abstieg, aber ein wirklich sehr schöner und hervorragend konzipierter Klettersteig, der beeindruckende Blicke in alle Richtungen bietet und richtig viel Spaß macht! Wer unter Höhenangst leidet, ist hier leider völlig falsch, aber alle anderen werden sicher eine Menge Freude beim Kraxeln haben!

Gegessen haben wir dann im Gasthof Rappold in Breitenbach, etwa 7 km weiter östlich. Da war wirklich alles richtig lecker, die Spinat- und Käseknödel, das Tiroler und das Wiener Schnitzel, die Schweinelendchen, die Rösti, die Kroketten, das Gemüse :-) Preise ok, Preis-Leistungsverhältnis spitze!

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Frank Steiner (Email)

Last modified: Fri Mar 18 15:23:39 CET 2016

Gefahrenhinweis/Haftungsausschluss: Bei vielen der vorgestellten Wanderungen gibt es durchaus ausgesetzte und gefährliche Stellen. Die Wege sind teilweise in schlechtem Zustand, und die Gefahr eines Absturzes besteht bei schmalen Pfaden am Hang immer. Typische Gefahren wie Steinschlag oder schlechtes Wetter sind zudem in den Bergen jederzeit vorhanden. Wir bemühen uns, in der Darstellung jeder Wanderung zu vermitteln, wie anstrengend und gefährlich sie aus unserer persönlichen Sicht war und wie gut unsere Kinder damit zurecht gekommen sind.

Trotzdem übernehmen wir natürlich für keine der vorgestellten Wanderungen eine Garantie für die Richtigkeit der Darstellung, für die Ungefährlichkeit oder die Eignung für andere Kinder als unsere eigenen. Jeder wandert auf eigene Gefahr und auf eigene Verantwortung und muss vor Ort selbst entscheiden, ob die vorgestellten Routen gefahrlos zu begehen sind oder nicht. Die Verwendung der Informationen dieser Webseite erfolgt auf eigenes Risiko. Für Unfälle, welche eventuell auf unsere Informationen zurück zu führen wären, wird nicht gehaftet.

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Das Hintergrundbild stammt von http://www.grsites.com.