Bergwandern mit Kindern in der Zugspitzregion: Königsstand

wir
Königsstand (1453)
Juni 2014
Ausgangspunkt: Kostenloser Parkplatz am Pflegersee, knapp 1¼ Stunden Autofahrt vom Südwesten Münchens.
Wanderkarte des Bayerischen Vermessungsamts mit Wegverlauf.
Google-Map
KML-File
Der Streckenverlauf und die Positionsmarken sind freihändig eingezeichnet. Mit Hilfe von Karten und der Fotos versuche ich aber, den Weg so genau wie möglich nachzuvollziehen, so dass die Längenangaben im Großen und Ganzen stimmen sollten.
Länge:ca. 9½ km in der leichten Variante über Maurer- und Kramersteig; 8½ km über Schwarze-Wand- und "Maximilianssteig". In beiden Fällen 600 hm. Der Schwarze-Wand-Steig ist im Aufstieg etwa 350 m länger als der Maurersteig. Der zusätzliche Kilometer bei der leichten Variante resultiert aus den vielen Serpentinen des Kramersteigs.
Unsere Zeit: Mit einfachem Rückweg 6 Stunden, mit schwierigem 7, inklusive 1 Stunde gemütliche Gipfelpause an den diversen Aussichtsstellen. Den Maurersteig sind Steffi und ich im Februar alleine gegangen, haben dafür aber etwa genauso lange gebraucht wie für den Schwarze-Wand-Steig (wir sind ohne Kinder nicht schneller als mit).
Die Etappen zur besseren Einschätzung (ohne Pausenzeiten zwischen den Etappen):
  • Parkplatz bis Einstieg Maurersteig: 15 Minuten
  • Maurersteig: ca. 2 Stunden
  • Parkplatz bis Einstieg Schwarze-Wand-Steig: 25 Minuten
  • Schwarze-Wand-Steig: 2½ Stunden (inkl. ½ Stunde Rast)
  • Gipfelaufenthalt: 1 Stunde
  • Rückweg über Kramersteig (Steffi und Flo): 2 Stunden
  • Rückweg über "Maximilianssteig" (Ari und ich):
    • Querung unter den Felswänden (inkl. 10 Minuten Wasserfall-Spielen): 1¼ Stunden
    • Abstieg über Waldrücken und Rückweg zum See: 1½ Stunden
Alter unserer Kinder: 9¼ und 11¼
Schwierigkeit: Die Wanderung ist sowohl mit dem Maurer- als auch dem Schwarze-Wand-Steig und dem sehr einfachen Rückweg über den Kramersteig gut für Kinder geeignet, die noch nicht ganz so viel Bergerfahrung haben (zum Maurersteig aber bitte die Fotos zur ausgesetzten Stelle anschauen).
Wenn die Kinder hingegen schon sehr geübt und trittsicher und (bzgl. der Körpergröße) nicht zu klein sind, kann man die Wanderung mit dem Maximilianssteig unterhalb der Nordwände des Katzenkopfs zu einer spannenden Abenteuertour ausbauen.
Zustieg
Vom Pflegersee geht es sehr einfach und nur zu Beginn kurz ansteigend über einen gut ausgebauten, wenn auch stellenweise schmalen Pfad ohne irgendwelche Schwierigkeiten zu den Einstiegen des Maurer- und des Schwarze-Wand-Steigs.
Maurersteig (ohne Kinder gelaufen)
Zu Beginn ist der Steig kraxelig und stellenweise nicht sehr gut ausgeprägt, es gibt ein paar kurze steilere Abschnitte. Sobald man unter der Felswand vorbeigestiegen ist, geht es auf deutlich besserem und weniger steilem Pfad in den ersten Grashang mit dem typischen, sehr lockeren Gemisch aus Fichten und Kiefern. Auch wenn es nicht unmittelbar ausgesetzt ist, sind diese Hänge an vielen Stellen sehr steil und man darf nicht neben dem Pfad ins Rutschen kommen.
Oberhalb der Felsen, die man unten gequert hat, gibt es eine nur kurze, aber stark ausgesetzte Stelle, die für Leute mit Höhenangst problematisch sein kann. Ein Absturz wäre sicherlich tödlich, aber der Pfad ist hier sehr gut ausgebildet. Weniger trittsichere Kinder nimmt man besser an die Hand. Ob sie mit so starker Ausgesetztheit zurecht kommen, sollte man unbedingt vorher schonmal an weniger gefährlichen Stellen getestet haben! Die Stelle ist nur sehr kurz, aber wenn einem hier schwindlig wird, wäre das gefährlich. Danach muss kurz an einem Seil über eine felsige Stelle hinaufgekraxelt werden. Das ist nicht sonderlich schwierig, aber oberhalb verläuft der gut ausgebaute Pfad nochmal kurzzeitig am Rand und der Hang ist noch ein paar Serpentinen lang sehr steil! Da sich hier wieder Bäume im Hang befinden, wirkt es weniger gefährlich als es tatsächlich ist.
Dann wird es aber schnell flacher und bis zum Gipfel deutlich einfacher und weniger gefährlich. In den langen, stellenweise auch etwas flacheren Grashängen mit nur einer etwas kraxeligeren Stelle kann man sich entspannen und erholen und die Kinder können etwas ungefährdeter herumlaufen. Dafür zieht es sich auf Dauer etwas, weil man nicht mehr so viele Höhenmeter hinter sich bringt. Einmal bricht es schon etwas weiter oben, wo der Pfad kurzzeitig ganz ohne Steigung verläuft, neben ihm steil ab, ansonsten bleibt es ungefährlich. Die bewaldeten Hänge werden zwar kurz vor dem Gipfel nochmal etwas steiler, aber da muss man schon ganz bewusst viele Meter neben dem Pfad laufen, um sich in Gefahr zu bringen.
Bei Nässe würde ich den Steig aber nicht unbedingt gehen, da es mit dem vielen Gras in den steilen Hängen vor und nach der ausgesetzten Passage und der Kraxelstelle zu gefährlich sein könnte, wenn man ausrutscht.
Im Vergleich zum Maurersteig die anstrengendere (weil deutlicher steiler und kraxeliger), dafür aber weniger ausgesetzte Variante.
Laut Karte müsste der Maurersteig eigentlich steiler sein, da er dort kürzer aussieht. Aber während er sich in teilweise sehr großen Serpentinen hinaufwindet, nimmt der Schwarze-Wand-Steig viele steile Abschnitte in direkter Linie oder nur minimalen Kurven. Dadurch sind wir sehr oft außer Puste geraten und mussten viele kleine Pausen einlegen. Dafür überwindet man die Höhenmeter aber auch ziemlich schnell und hat keinerlei langweiligen Abschnitte wie das etwas eintönige lange Queren der Grashänge beim Maurersteig. Bei sehr heißem Wetter ist der Steig aber vielleicht eher nichts, da er bis zum frühen Nachmittag viel Sonne abbekommt.
Beim Einstieg geht es schon gleich so steil, wurzelig und rutschig los, dass man sich fragt, ob das wirklich ein Weg sein kann. Nach 20 m wird es zwar besser, aber immer wenn man irgendwo auf diesem Steig denkt "Ah, jetzt ist es weniger steil", folgt mit Sicherheit direkt wieder eine kraxelige Mini-Steilstufe oder eine "Grastreppe" mit kniehohen Stufen. Das Durchkraxeln des ersten trockenen Bachbetts ist kein Problem, danach geht es steil durch einen Grashang hinauf. Der Pfad ist hier mit Ausnahme einer kraxeligen Stelle recht gut und längst nicht so ausgesetzt wie die Stelle am Maurersteig, aber der Hang fällt doch sehr steil ab und Steffi war darum beim Blick hinunter ein klein bisschen unwohl. Der Pfad entfernt sich aber rasch etwas mehr in die Mitte des Rückens, und auch wenn er ab und zu nochmal in die Nähe der Abbrüche führt und die Hänge noch einige Zeit ziemlich steil bleiben, ist es nicht mehr so schlimm wie unmittelbar nach dem Bachbett.
Bis zur Schwarzen Wand ist es immer wieder sehr steil und anstrengend, dann wird der Pfad während der Querung unterhalb der Felsen etwas flacher, dafür aber auch gleich schmaler und deutlich schlechter zu laufen, insbesondere bei der Umgehung einer kleinen abgerutschten Stelle. Ausgesetzt ist es jetzt überhaupt nicht mehr, es befindet sich bis zum Gipfel immer eine Geländestufe oder Wald bzw. Latschen unterhalb des Pfads. Nach der Schwarzen Wand durchkraxelt man noch problemlos eine kleine Felsrinne, an der der Pfad etwas weggeruscht ist, dann nähert man sich schon dem großen Einschnitt, der, wenn man sich unten mal vorsichtig an seinen Rand wagt, schon sehr bedrohlich aussieht. Man müht sich vor ihm aber so lange steil und kraxelig hinauf, dass die Durchquerung oben überhaupt kein Problem mehr darstellt. Und gleich danach ist man auch schon am Ziel.
Wenn man den Steig als Abstieg nehmen will, sollte man wegen der steilen Hänge zwischen Schwarzer Wand und dem unteren Bachbett auf jeden Fall Stöcke verwenden. Auf dem Pfad lag viel totes Gras, und da kann man nach unten sicherlich schnell mal ins Rutschen kommen. Bei Nässe würde ich auf keinen Fall absteigen.
Gipfel
Beide Aussichtsplateaus brechen nach Osten hin senkrecht ab, da muss man ein bisschen aufpassen, dass die Kinder nicht zu nah an den Rand gehen. Es gibt dazwischen aber eine große Lichtung im Wald, wo man herumtoben und spielen kann. Vom hinteren Plateau neben dem eigentlichen Gipfel führt der Pfad noch zu zwei weiteren Aussichtsstellen, aber die sind deutlicher kleiner und es gibt schon auf dem Weg dorthin stark ausgesetzte Stellen. Mit Kindern muss man das nicht mehr unbedingt machen, wir haben's gelassen.
Der Rückweg über den Kramersteig ist der Normalweg auf den Königsstand. Irgendwo hab ich mal den Begriff "Touristen-Autobahn" gelesen. Ganz so ist es nicht, und es gibt bei der Querung unter den Felswänden entlang schon auch ein paar kleine kraxelige Stellen. Aber wirklich schwierig ist hier nichts. Auf dem Kramersteig selbst geht es dann lange Zeit sehr unschwierig hinunter, aber um die Felsen-Kanzel herum ist es sehr stark ausgesetzt. Der Weg ist an der Stelle sehr breit und unschwierig, aber einen Meter daneben geht's senkrecht runter. Hier muss man die Kinder also wieder einfangen, falls sie bis dahin alleine vorlaufen durften. Hinter der Felsenkanzel gibt es sogar kurz ein Drahtseil zum Festhalten und eine kleine Behelfsbrücke, aber dann landet man schnell wieder im ungefährlichen Wald und erreicht bald die Gastwirtschaft St. Martin. Von dort muss man ein paar Serpentinen die Straße entlang, bis man wieder auf den Weg zum Pflegersee einbiegt, auf dem man zu den Einstiegen von Maurersteig und Schwarzer Wand gelangt ist.
Dieser Weg hat nach Aussage von Einheimischen keinen Namen, aber da sich dort die Steintafel zum Jagdstand von Maximilian II. befindet, nenne ich den jetzt einfach mal so.
Warnung: Der Steig ist laut einem Schild des Alpenvereins Garmisch-Partenkirchen gesperrt (Stand Juni 2014; allerdings gibt es diesen Hinweis nur oben)! Ich werde darum den Teufel tun und irgendjemandem empfehlen, dort langzugehen! Wer den Pfad begeht, tut das auf eigene Gefahr!
Ariane und ich sind ihn trotzdem gegangen, weil wir mal schauen wollten, wie weit man kommt und wo er nicht mehr passierbar ist. Wir haben an jeder schwierig aussehenden Passage beraten, ob wir ein Weitergehen für vertretbar halten und das Ganze mit unseren bisherigen Erfahrungen auf schwierigen Wegen verglichen. Wir kamen jedes Mal zu dem Schluss, dass wir es verantworten können, waren aber ständig darauf gefasst, umkehren zu müssen. Bis wir schließlich durch die Felswände hindurch waren :-) Auch Florian hätte diesen Weg problemlos bewältigen können, nur an der Seilstelle (s.u.) hätten wir uns was einfallen lassen müssen...
Für "normale" Wanderer, die gut befestigte Wege gewohnt sind, ist der Weg auf keinen Fall geeignet und seine Sperrung definitiv gerechtfertigt. Liebhaber alter und verfallener Steige werden gut zurecht kommen, und denen wollen wir hier Informationen zur Verfügung stellen, damit man schon mal weiß, was einen erwartet. Natürlich kann sich die Situation nach jedem Schnee oder Starkregen verändert haben, also beurteilt bitte vor Ort immer wieder, ob ihr euch die jeweiligen Passagen zutraut und kehrt im Zweifel lieber um.
Hinweis: Für Leute mit einer Griffhöhe von weniger als 190 cm gab es 2014 eine Stelle, die ohne zusätzliche Sicherungsmaßnahmen oder Hilfestellung nicht passierbar war. Siehe Fotos. Inzwischen scheint das aber diesem Bericht zufolge einfacher zu sein, und das Seil hängt offenbar auch weiter unten. Also vermutlich kein Problem mehr!
Der Steig ist insgesamt schon recht schwierig, sehr kraxelig, oft rutschig, teilweise ist die Pfadspur nur sehr schmal oder sehr schlecht ausgeprägt. Man braucht definitiv eine sehr hohe Trittsicherheit und sollte schon ein bisschen Erfahrung mit felsigen und gerölligen Pfaden haben. Dann ist der Pfad aber auch gar nicht so gefährlich. Zwar gibt es einige stärker ausgesetzte Stellen, aber da ist der Pfad auch in den Felsabschnitten immer sehr gut oder breit oder flach. Dort, wo es rutschig und vor allem hinunter schwierig zu gehen ist, befindet sich neben dem Pfad eigentlich immer ein kleiner Vorbau oder schützende Latschenkiefern, so dass man dort nicht so leicht abstürzen würde, selbst wenn man mal ausrutscht. Stöcke sind auf jeden Fall hilfreich, bei Nässe sollte man diesen Pfad auf keinen Fall begehen!
Zu Beginn geht es durch den Wald auf einem wurzeligen Pfad, bis man zum ersten großen Felsabschnitt gelangt. Der ist noch nicht so schwierig und auch noch nicht so stark ausgesetzt wie der zweite. Es gibt zwei ausgesetzte Stelle mit gut ausgebautem Pfad, wo man sich mal selbst prüfen kann. Wem es hier schon unangenehm wird, der sollte besser wieder umkehren. Im Waldstück nach den Felsen folgt die deutlich ausgesetztere Stelle mit leicht abgerutschtem Weg, aber da gibt es links ein im Hangbewuchs etwas verstecktes Seil, das man aber nicht unbedingt braucht.
Die zweite lange Felspassage ist die schwierigste, wenn man in dieser Richtung geht. Es geht einige Male hinunter, und da gerät man auf den vielen kleinen Steinchen sehr leicht ins Rutschen! Wir sind teilweise seitlich mit einer Hand am Boden runtergestiegen. Es ist aber wie gesagt an diesen Stellen nicht ausgesetzt und man kann sich immer irgendwo ein bisschen auf oder neben dem Weg an kleinen Latschen oder Felsen festhalten. Wenn man sehr langsam und konzentriert geht, kommt man immer gut hinunter. Die z.T. stark ausgesetzten Stellen befinden sich nur neben flachen und problemlos zu gehenden Pfadabschnitten.
Vor dem dritten Felsabschnitt mussten wir eine abgerutschte Wegstelle überwinden, an der ein Seil damals so hoch über dem Boden schwebte, dass Ariane mit ihrer Reichweite von knapp 190 cm in der Mitte schon etwas Schwierigkeiten bekam. Ich hab das Seil mit meinem Gewicht etwas runtergezogen, dann kam sie gut durch. Florian hätte ich an der Hand hinüberführen müssen, während ich mich mit der anderen oben festhalte. Das wär sicherlich auch gut gegangen. Inzwischen ist die Stelle aber offenbar einfacher, siehe Hinweis oben. Zur allerhöchsten Not konnte man die Stelle aber wohl auch unterhalb umgehen. Nach dieser Einstiegshürde war's das aber auch schon mit den gefährlichen Stellen in diesem Abschnitt, der Pfad verläuft jetzt mehr im Wiesenhang unterhalb der Felswände. Nur einmal muss man ein von einer Schlammlawine weggespülte Stelle durchqueren, an der die Trittspur hart und etwas kippelig ist, die aber auch oberhalb am Fuß der Felsen umgangen werden kann.
Der Pfad bewegt sich danach meist im Wald und wird dort ab und zu etwas rutschig, besonders beim Abstieg zum Wasserfall. Danach kommt die letzte gefährliche Stelle: In einem steilen Wiesenhang muss wieder eine Schlammlawine durchquert werden und da kippt die harte Trittspur die ganze Zeit leicht zum Abgrund hin. Bei konzentriertem Gehen völlig problemlos, aber irgendwie fühlte sich das schon unangenehm an.
Danach ist der Rücken erreicht, auf dem man nun durch den Wald absteigt. Teilweise ist der Verlauf trotz der vielen orangen Markierungen etwas schlecht erkennbar, aber wenn man ein paar Meter schaut, sieht man schnell wieder, wo es weitergeht. Der Rücken ist schmal und zu zwei Seiten stark abschüssig, aber wenn man sich nicht vom Pfad entfernt, ist es nicht absturzgefährdet. 2-3x muss man auf dem Pfad über sehr steile und rutschige felsige Stellen bzw. Wurzelstufen hinunter, ansonsten ist es einfach zu laufen. Sobald man unten auf den Querpfad stößt, wird es sehr einfach. Nach der 2. Bachüberquerung geht es neben dem Weg nochmal ca. 15 m steil hinunter, aber da ist der Pfad sehr gut. Er geht nun bald in einen für die Knie etwas anstrengenden Forstweg über, der schließlich auf einer Straße landet, auf der der Pflegersee nach kurzer Zeit erreicht ist.
Insgesamt wäre dieser Weg als Aufstieg deutlich leichter. Trotzdem würde ich die Tour wieder in dieser Richtungen machen, denn der Schwarze-Wand-Steig wäre als Abstieg wegen des meist sehr steilen Pfads sicherlich deutlich unangenehmer. Außerdem hat man in dieser Richtung die viel schöneren Blicke auf die Felspassagen.
Bitte beachtet die Gefahrenhinweise.
Attraktivität: Die Maurersteig+Kramersteig-Variante ist vor allem eine Panorama-Tour für Leute, die es nicht ganz so schwer haben möchten. Derart schöne Ausblicke ins Loisachtal und über Garmisch-Partenkirchen aufs Wettersteingebirge und die Zugspitze sind bei so geringer Schwierigkeit wohl nur schwer zu finden. Wer das Wilde und Abenteuerliche liebt, der wird auf dem Schwarze-Wand-Steig und insbesondere auf dem Maximilianssteig mit wunderschönen Waldabschnitten und und unglaublich faszinierenden Felslandschaften belohnt.
Zustieg
Für einen "Touristenpfad" ist der Kellerleitensteig zwischen Pflegersee und St. Martin ausgesprochen schön! Es beginnt schon mit dem Blick über den Pflegersee auf die nördlichen Abbrüche des Königsstands, den man sich unbedingt noch gönnen sollte, bevor vom Parkplatz losstiefelt. Der Weg wirkt anfangs langweilig, wird aber nach kurzer Zeit schmal und führt mit kleinen Brückchen über Bäche durch einen sehr schönen Mischwald, der immer wieder Blicke rechts hinauf zu den Felsen erlaubt.
Maurersteig
Unten ist es noch ein bisschen abwechslungsreicher, wenn man erst an die Felsen heransteigt und unter einem beeindruckend hochaufragenden Einschnitt hin- und oberhalb wieder zurückquert. Der erste Aufstieg durch den Wald ist schon ein erstes Problem für Fotografen, denn in jeder Kehre meint man, dass der Blick ins Loisachtal und hinüber zum Hohen Fricken noch ein bisschen schöner geworden sei. Auch die kleine seilversicherte Felskraxelei macht großen Spaß genau wie der Pfad selbst, der schmal und kraxelig und wirklich spannend zu gehen ist.
Sobald man die großen Hänge nach der Kraxelstelle erreicht hat, wird es aber auf Dauer etwas eintönig. Die immer freier werdende Aussicht tröstet darüber hinweg, außerdem gibt es hier viele Stellen, wo man sich stundenlang ins Gras legen und die Sonne genießen könnte. Wir hatten im Februar natürlich noch überall das gelbe Gras, aber von Fotos und den Erfahrungen vom Schwarze-Wand-Steig im Juni weiß ich, dass es hier im Sommer wohl eine Menge schöne Blumen und Farne gibt.
Insgesamt ist der Maurersteig durchaus lohnend und hat Steffi und mir viel Spaß gemacht. Durch die südliche Ausrichtung und den lockeren Wald ist er früh schneefrei und darum ein guter Kandidat für Föntage im Februar oder März. Ein wirklicher Geheimtipp ist er allerdings nicht, wir haben im Februar 5 Leute getroffen und im Juni stiegen gerade schon wieder 3 Wanderer ein, als wir unten vorbeigingen.
Schwarze-Wand-Steig
Im Vergleich zum Maurersteig der deutlich abwechslungsreichere, spannendere und einsamere Aufstieg. Schon bei der Überquerung des (trockenen) Bachbetts der Kramerrunse befindet man sich inmitten beeindruckend aufragender Felsen, und da noch ein bisschen weiter hinaufzukraxeln, könnte durchaus lohnend sein. Der Aufstieg zur Schwarzen Wand durch den sehr schönen Wald ist kraxelig und spannend und macht viel Spaß. Hier ist alles etwas wilder als auf dem Maurersteig. Die senkrechten Felsen der Schwarzen Wand sind beeindruckend und man kann darunter wunderbar Rast machen, bevor man weiter durch kleine Felsrinnen, Wald und verwilderte Grashänge spannend und abwechslungsreich hinaufkraxelt. Einen vorsichtigen Blick in den großen Einschnitt unter dem Gipfel zu werfen, lohnt sich, der Blick hinunter bei der Durchquerung ist aber auch schon eindrucksvoll genug.
Gipfel
Die Aussichten von den beiden Plateaus sind klasse. Hier ist allerdings auch immer etwas los, es kommen doch einige Leute über den Normalweg und den Maurersteig hinauf. Wer es einsamer haben möchte, muss wohl nach dem 2. Plateau noch weiter gehen. Von der 3. Aussichtsstelle und dem Pfadende gibt es sogar schöne Blicke nach Norden, aber dafür ist es dort auch stellenweise stark ausgesetzt. Zwischen 1. und 2. Plateau befindet sich eine schöne Waldlichtung, wo man herumtollen und spielen kann.
Leichter Rückweg via Kramersteig
Ich mag ja keine so breiten und einfachen Wege, wo sich die Wanderer tummeln. Aber ich muss zugeben, dass dieser Weg schon einige sehr schöne Abschnitte hat! Erst geht es unterhalb des Katzenkopfs entlang mit tollen Felswänden rechts und tollen Fernblicken links. Auf dem Kramersteig nach unten wird es dann schnell langweilig und zieht sich, als Aufstieg wäre es für die Kinder viel zu öde gewesen. Bei der Felsen-Kanzel wird es aber auf einmal wieder spannend. Senkrechte Abbrüche neben dem Weg, dazu die Kanzel von 1900 (vielleicht der älteste Mini-Skywalk der Alpen?), auf der man einen Meter über den Abgrund hinaustritt. Danach geht es noch kurz neben beeindruckend aufragenden Felswänden mit einer steilen Rinne, aus der ein Bach geplätschert kommt, nach unten in den Wald, der hier auch wieder etwas abwechslungsreicher und interessanter wird. Nach dem Gasthof St. Martin muss man dann knapp 800 m über die geteerte Straße hinunter, bis man wieder auf den Kellerleitensteig zum Pflegersee einbiegt, der ja schon auf dem Hinweg Spaß gemacht hat,.
Für so einen Normalweg also als Abstieg durchaus ok. Natürlich kann man auch den Schwarze-Wand-Steig hinauf und den Maurersteig hinunternehmen (besser so als andersherum), wenn einem der Kramersteig zu langweilig ist!
Schwieriger Rückweg im Nordhang
Wie soll ich den am besten charakterisieren... "Grandios!" "Fantastisch!" "Unglaublich!" "Hammer!" Irgendwie so :-) Definitiv einer der schönsten Pfade, die ich kenne. Und zwar, weil er so viele Eigenschaften von anderen tollen Wegen vereint. Der erste lange Felsabschnitt erinnert z.B. stark an die Rinnen des Zundereck, der zweite und dritte haben das Flair des Stangensteigs, wenn man den Pfad aus der Entfernung unter den hohen Felswänden entlang verlaufen sieht. Zwischen den felsigen Passagen geht es immer wieder kurz durch wunderschöne Waldabschnitte mit einem lockeren Gemisch aus Latschen, Fichten, knorrigen Laubbäumen und vielen schönen Blumen.
Nach dem dritten Felsabschnitt trifft man auch noch auf einen zwar schwachen, aber trotzdem ungemein faszinierenden Wasserfall, an dem man stundenlang spielen könnte, bevor man auf einem spannenden Pfad über den kleinen Waldrücken hinabsteigt und dabei immer wieder die Bäche im Hang gegenüber bewundern kann, die man unten überquert. Erst wenn der Pfad nach dem zweiten Bach in einen Forstweg übergeht, macht es nicht mehr so viel Spaß, aber da erreicht man auch nach 400 m schon die Straße und nach weiteren 600 m den Pflegersee.
Wer es mit seinem Gewissen (und seinen Fähigkeiten) vereinbaren kann, das "Gesperrt"-Schild insbesondere mit Kindern zu ignorieren, der wird wirklich mit einem tollen Erlebnis belohnt, das alle anderen Teile dieser Wanderung weit in den Schatten stellt!
Sonstiges:
  • Ein Ausdruck der Vermessungsamtskarte ist sicherlich hilfreich, denn darin sind alle Pfade verzeichnet.
  • Im hohen Gras hatte es auf dem Schwarze-Wand-Steig eine Menge Zecken. Auf dem Maurersteig bestimmt ähnlich, aber da waren wir ja im Februar ohne hohes Gras.
  • Im Pflegersee kann man schön baden, er ist offenbar sehr warm. Das Gasthaus hat allerdings nur bis 18:00 Uhr offen, Abendessen nach der Wanderung ist also nicht wirklich möglich :-(
  • Wegen der Südost-Ausrichtung ist vor allem der Maurersteig früh im Jahr schneefrei, und der Kramersteig ließ sich auch mit Schnee problemlos gehen. Der Schwarze-Wand-Steig dauert vermutlich etwas länger wegen der im Schatten liegenden Rinnen, der Maximilianssteig sollte besser absolut trocken und schneefrei sein.
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Bitte beachtet die Hinweise zum Naturschutz. Die gesamte Tour liegt im "Naturschutzgebiet Ammergebirge", darum ist es besonders wichtig, auf dem Pfad zu bleiben und nicht weglos durchs Unterholz zu streifen!
Die Bilder wachsen ein bisschen mit, ein großes Browser-Fenster lohnt sich also :-)
Bilder mit rotem Rahmen können durch Anklicken vergrößert und wieder verkleinert werden (dazu bitte Javascript einschalten).
Gemeinsamer Zustieg
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Bevor man in Garmisch auf die Straße zum Pflegersee einbiegt, hat man einen Blick auf die Südost-Wand unter dem Katzenkopf (Bildmitte), durch die der Schwarze-Wand-Steig (Mitte), der Maurerssteig (rechts) und ein Teil des Kramersteigs (links) verlaufen. Rechts befindet sich etwa an der 2. Aussichtsplattform der Königsstand, links hinten lugt die Kramerspitz hervor.

Bevor man an der Tafel links in den Kellerleitensteig einbiegt, lohnt es sich auf jeden Fall noch, die paar Schritte zum See hinauf zu machen (von dort kommt man auf dem schwierigen Rückweg zurück):

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Man hat über den Pflegersee (im Februar war er noch gefroren) einen schönen Blick auf die "Seeleswände", die Ostabbrüche des Königsstands.

Der Kellerleitensteig, der auch Teil des einfachen Rückwegs ist, beginnt zwar auf einem breiten Forstweg, aber schon nach 400 Metern...

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...geht er an dem kleinen Unterstand in einen schmalen, aber gut befestigten Pfad über. Wir waren insgesamt dreimal hier (einmal mit Steffi auf dem Maurersteig, einmal mit Florian beim wegen Regens vergeblichen Zustieg zum Schwarze-Wand-Steig und schließlich mit allen beim gelungenen Zustieg über die Schwarze Wand) und jede Jahreszeit hatte ihr ganz eigenen Reiz. Rechts am Anfang des schneearmen und sonnigen Februars, der mehr wie Sommer wirkte,...

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...links eher in Herbststimmung am Ende des verregneten Aprils und rechts schließlich im satten Grün Mitte Juni.

Im rechten Foto sind wir gut 1 Kilometer nach dem Parkplatz am Abzweig zum Maurersteig angelangt. Der unscheinbare Bachlauf verbreitert sich oben zu dem riesigen Einschnitt, den man auf dem Schwarze-Wand-Steig am oberen Ende kurz vor dem Gipfel durchquert.

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Aufstiegsvariante auswählen:
Maurersteig
  • eine stärker ausgesetzte Stelle
  • weniger steil
  • schönere Aussichten
  • im oberen Bereich etwas langweilig
Schwarze-Wand-Steig
  • nur sehr wenig ausgesetzt
  • stellenweise sehr steil und durchaus anstrengend
  • weniger Aussicht
  • wilder und spannender

Mit kleinen Kindern würde ich den Maurersteig empfehlen, sofern man ihnen die kurze ausgesetzte Stelle (ggfs. an der Hand) und die seilversicherte Kraxelei danach zutraut. Denn abgesehen von dieser Passage ist das der deutlich leichtere und weniger anstrengende Weg. Der Schwarze-Wand-Steig macht größeren Kindern sicherlich mehr Spaß.

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Frank Steiner (Email)

Last modified: Wed Apr 12 10:40:19 CEST 2017

Gefahrenhinweis/Haftungsausschluss: Bei vielen der vorgestellten Wanderungen gibt es durchaus ausgesetzte und gefährliche Stellen. Die Wege sind teilweise in schlechtem Zustand, und die Gefahr eines Absturzes besteht bei schmalen Pfaden am Hang immer. Typische Gefahren wie Steinschlag oder schlechtes Wetter sind zudem in den Bergen jederzeit vorhanden. Wir bemühen uns, in der Darstellung jeder Wanderung zu vermitteln, wie anstrengend und gefährlich sie aus unserer persönlichen Sicht war und wie gut unsere Kinder damit zurecht gekommen sind.

Trotzdem übernehmen wir natürlich für keine der vorgestellten Wanderungen eine Garantie für die Richtigkeit der Darstellung, für die Ungefährlichkeit oder die Eignung für andere Kinder als unsere eigenen. Jeder wandert auf eigene Gefahr und auf eigene Verantwortung und muss vor Ort selbst entscheiden, ob die vorgestellten Routen gefahrlos zu begehen sind oder nicht. Die Verwendung der Informationen dieser Webseite erfolgt auf eigenes Risiko. Für Unfälle, welche eventuell auf unsere Informationen zurück zu führen wären, wird nicht gehaftet.

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Das Hintergrundbild stammt von http://www.grsites.com.